Die „Bamberger Mauer“ – historische Verkehrslandschaft weicht aktueller

Der Abschnitt Breitengüßbach – Zapfendorf als Teil der Ausbaustrecke des „Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8 – Bahnmagistrale Nürnberg – Erfurt – Leipzig/Halle – Berlin“ soll derzeit die größte Bahnbaustelle in Bayern, wenn nicht in Deutschland sein (Infos dazu unter http://www.vde8.de/PFA-23-24-Breitenguessbach—-Zapfendorf——_site.site..ls_dir._nav.58_likecms.html). Das gewohnte Leben in den betroffenen Orten Breitengüßbach, Unteroberndorf, Ebing und Zapfendorf bringt sie jedenfalls gehörig durcheinander. Zwei Bahnhöfe, der Ebinger und der Zapfendorfer, sind als Bauwerke schon verschwunden. Der Zapfendorfer Bahnhof bestand immerhin schon seit 1846, mithin also 170 Jahre, er erlebte aufgrund der Kriegszerstörung vom 1.April 1945 drei Bauphasen. In Zukunft wird es dort kein richtiges Bauwerk mehr geben, man wird sich dort mit der üblichen kargen Ausstattung eines Haltepunktes zufrieden geben müssen. Wohl dem, der im Winter auf die verspäteten Züge warten darf, bisher gab es wenigstens einen Wartesaal mit einem sehr spröden Charme, aber immerhin mit Heizung.

Aber auch der bautechnisch anspruchsvollste Teil der Ausbaustrecke hat seine Geschichtszeugnisse, die jetzt erstmals vor ihrem endgültigen Untergang für die eifrigen Baustellentouristen sichtbar werden. Bisher konnte man sie nur vom Fluss aus sehen, in der unbelaubten Zeit auch von der gegenüberliegenden Ebinger Mainseite erleben — die „Bamberger Mauer“.

Der nördliche Teil der Bamberger Mauer mit dem Durchlass des Schmerzensgrabens im Jahr 2009

Der nördliche Teil der Bamberger Mauer mit dem Durchlass des Schmerzensgrabens im Jahr 2009

Ihren Namen hat diese Mauer vom Babenberg, vom „Bambergla“, wie die Anhöhe im Volksmund genannt wird. An seinem Hang, dort wo der Schmerzensgraben in den Main mündet, sind die aufwendigsten Arbeiten der Baustelle durchzuführen. Es entsteht hier der größte Engpass, da hier der Main, die Bahnlinie, die Autobahn 73 und die Staatsstraße 2197 dicht nebeneinander liegen. Da jetzt auch noch die ICE-Strecke hinzutritt, bleibt kaum etwas anderes übrig, als den Main an dieser Stelle nach Westen zu verschieben.

Durchlass des Schmerzensgrabens durch die Bamberger Mauer.

Durchlass des Schmerzensgrabens durch die Bamberger Mauer.

Diese Stelle, an der der Main in einem sanften Bogen dicht an den Hangfuß heranrückt, bereitete den Verkehrsplanern und Bauingenieuren aber schon seit mindestens 330 Jahren Probleme. Auch wenn im späten 17. Jahrhundert einzig und allein die Landstraße Bamberg – Lichtenfels – Kronach — immerhin die verkehrliche Hauptachse des damaligen Hochstifts Bambergs — zwischen Fluss und Berg lag, gab es mit dem Main immer wieder Probleme, denn wie jeder mäandrierende Fluss versuchte er den Bogenscheitel weiter vorzuschieben. Um dem an diesem Punkt Einhalt zu gebieten und das Wegreißen der Landstraße zu verhindern, mussten Ufersicherungen her.

Etwa um 1690 mußte der Zapfendorfer Vogt Gensel eine Stützmauer errichten, wo der „Rosengartenmäander“ fast im rechten Winkel auf den Hang stieß. Bereits 1698 wurde diese Mauer unterspült, da die Ebinger oberhalb der Mauer einen Wörth durchschnitten hatten. Sie musste zum großen Ärger des Vogtes im Jahr 1700 neu errichtet werden. Dabei beschwerten sich die Ebinger nunmehr bei Abt Caspar vom Michelsberg, dass der Zapfendorfer Vogt nun den Main wieder von der Landstraße weg in den Ebinger gemein graben geleitet hätte. Auch dies war jedoch keine dauerhafte Lösung, denn bereits im Jahr 1718 griff der Main die Uferschutzmauer erneut an und beschädigte sie, so dass der Vogt von Zapfendorf die damals 31 Schuh lange und 15 Schuh hohe Mauer für 200 fl. reparieren lassen musste. Aber auch diese Maßnahme war nur von kurzer Dauerhaftigkeit, denn schon 1722 mußte der Zapfendorfer Vogt der Hofkammer berichten, dass die Straß oberhalb Gußbach an Baumberg gelegen ganz und gar unbrauchbar sei. Auch in den folgenden Jahren besserte sich die Situation nicht, so dass schließlich die angesehensten Baumeister des Hochstifts Bamberg zur Instandsetzung der Bamberger Mauer herangezogen wurden. Am 21. Mai 1735 wurde der Vogt von Zapfendorf darüber in Kenntnis gesetzt, was nach der meynung des allhiesigen baumeister [Justus Heinrich] dientzenhoffer der maurer, steinhauer und taglohner Lohn Kosten sein würden. Am 7. April 1736 erstattete der Ingenieur Lieutenant Kuechel einen Bericht an die Hofkammer, wie er sich das weitere Vorgehen vorstellen würde. Damit aber nicht genug, am 11. April erstellte auch noch Balthasar Neumann einen Kostenvoranschlag für den nunmehr 220 Schuh (=61,60 Meter) langen Wasserbau am Bamberger Weg. Im Fundament sollte die Mauer 5 Schuh dick werden, an ihrer Krone 2 ½ Schuh bei einer Höhe von 14 Schuh. Insgesamt sollten hierzu 5760 Sandsteinquader verbaut werden. Neumann veranschlagte für dieses Bauwerk Kosten von 1160fl. Den Auftrag erhielt Anna Maria Schmidtin, Maurermeisterin zu Bamberg.

Südlicher Teil der Bamberger Mauer

Südlicher Teil der Bamberger Mauer

Doch selbst die Einschaltung des berühmtesten fränkischen Barockbaumeisters konnte nicht verhindern, dass wenige Jahre später schon wieder Anlass zur Klage gegeben war. 1744 schreibt Michael Küchel, dass das Gemäuer am Babenberger Weeg durch den großen Eisgang im Frühjahr sehr beschädigt, die Brustmauer auf 300 Schuh hinweg gestoßen und auch der weeg oder landstraß einwärts geleget worden sey. 1746 machte Küchel einen Plan für ein neues Stück Mauer und für einen Faschinenbau, um den Fluss endgültig von der Straße wegzudrängen. Aber trotzdem musste auch noch 1754 an der Mauer weitergebaut werden. 1764 besichtigten der Hofbaumeister Fink und die Landbauinspektoren Gruber und Lachmeyer erneut den immer wieder einreißenden Wasserbau, um endlich eine solide Arbeit durchführen zu lassen. Danach wurde von 1764 – 66 die Bamberger Mauer durch Lachmeyer wieder errichtet, worauf nunmehr keine Klagen mehr zu vernehmen waren. Nach 1843 wurde die Bamberger Mauer durch den neu errichteten Eisenbahndamm, der zwischen Landstraße und Mainlauf zu liegen kam, entlastet. Dies tat zusätzlich die für die Zwecke der Flößerei durchgeführte Flusskorrektion des Maines im späten 19. Jahrhundert, bei welcher beide Ufer mit einer festen Uferpflasterung versehen wurden, die ein natürliches Einreißen verhinderte.

Heute sind zwei Abschnitte der Mauern des 18. und 19. Jahrhunderts erhalten. Der nördliche befindet sich an der Einmündung des Schmerzensgrabens in den Main. Das Bächlein wird mit einer einbogigen Sandsteinbrücke überquert, die in die Ufermauer integriert ist. Dieser Teil der Mauer besteht aus Sandsteinquadern und stammt wohl noch aus dem 18. Jahrhundert, also aus der Phase der Wiedererrichtung von 1764-66. Vor den südlichen Bogenanlauf ist eine abgeschrägte Stützmauer, wohl aus dem 19. Jahrhundert angelehnt. Im Süden setzt sich die Mauer mit rustizierten Sandsteinquadern fort, wohl ebenso im 19. Jahrhundert ergänzt. Das Material ist durchgängig Rhätsandstein und mag wohl aus den nahegelegenen Sassendorfer Steinbrüchen stammen.

Etwa 100 Meter weiter südlich befindet sich der zweite erhaltene Teil der Bamberger Mauer, etwa auf der Höhe des nördlichen Unterführungsbauwerks der bisherigen Bahnstrecke mit seinen flussseitigen Betonsäulen. Diese leicht schräggestellte Mauer besteht ebenfalls aus Sandsteinquadern. Sie ist etwa 50m lang, knapp 4m hoch und teilweise bereits verstürzt. Ausbesserungen und unterschiedliche Steinzuschnitte zeigen, dass sie mehrfach in ihrer Geschichte repariert werden musste. Es wird sich bei diesem Abschnitt aber im Kern um eine Mauer des 18. Jahrhunderts handeln.

Südlicher Teil der Bamberger Mauer, Ausschnitt mit Wasserauslauföffnung

Südlicher Teil der Bamberger Mauer, Ausschnitt mit Wasserauslauföffnung

Bald werden die beiden Mauerabschnitte endgültig Geschichte sein. Jetzt sind sie allerdings die bedeutendsten Zeugnisse historischer Uferbefestigungen am Obermain. Dass sie nicht nur historische Bedeutung besitzen, sondern auch ökologische, zeigt ihre Eigenschaft als Lebensraum für Ringelnattern.

Bamberger Mauer als Lebensraum für Ringelnattern

Bamberger Mauer als Lebensraum für Ringelnattern

Fotos: Thomas Gunzelmann 2009/2016; Stefan Funke 2016

 

Quellen und Literatur:

Staatsarchiv Bamberg B 54 Nr. 2079 Bamberger Hofkammer; Babenberger Wasserbau und Weeg Reperatur(1721 – 1754).
Renate Gerlach: Flußdynamik des Mains unter dem Einfluß des Menschen seit dem Spätmittelalter. Forschungen zur deutschen Landeskunde. Band 234, Trier 1990.

Thomas Gunzelmann: Ebing und der Main. Fluss, Dorf und Landschaft in Beziehung. In: Runder Tisch Ebing (Hrsg.): Chronik von Ebing. Teil II. Herausgegeben zur 1200-Jahr-Feier von Ebing im Jahr 2000. Ebing 1999, S. 111 – 144.

Gutachten zum Welterbeantrag Saale-Unstrut

Der Welterbe-Antrag „Der Naumburger Dom und die hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut“ wurde nach der Evaluierung Ende 2014/Anfang 2015 durch ICOMOS ablehnend beurteilt.
Das Welterbe-Komitee der UNESCO entschied auf seiner 39. Sitzung am 5. Juli 2015 in Bonn, den Antrag an den Antragsteller, dem Förderverein Welterbe an Saale und Unstrut e.V. zur Überarbeitung zurück zu verweisen und ihm damit eine zweite Chance zu gewähren.

Besonders in der Kritik stand die Frage, inwieweit das Antragsgebiet tatsächlich eine authentische und integre Kulturlandschaft im Sinne der UNESCO-Kriterien sei. Auch der Begriff der „Herrschaftslandschaft“ stieß auf Unverständnis. Nun sind die bisher als Kulturlandschaft in die Welterbeliste eingetragenen Kulturlandschaften meist sogenannte „Dominantenlandschaften“, in denen ein prägender Faktor vorherrscht, wie etwa Weinbaulandschaften oder Landschaften der Gartenkunst. Mit sehr vielschichtigen Landschaften, die durch ein komplexes Faktorenbündel geprägt wurden – wie eben die Kulturlandschaft um den Naumburger Dom – tun sich die Bewertungsgremien sichtbar schwer. Die „Herrschaftslandschaft“ muss daher als ein Hilfsbegriff gesehen werden, der versucht, die Komplexität mit einem Schlagwort verständlich zu machen.

Für den Antrag habe ich schon im Jahr 2013 ein begleitendes Gutachten verfasst, das knapp zusammenfassend das Wesen einer hochmittelalterlichen Herrschaftslandschaft am herausragenden Beispiel um Naumburg und Freyburg an Saale und Unstrut erläutert. Zudem habe ich dargelegt, dass genau in eben dieser Region das Konzept „Kulturlandschaft“ – so wie es die UNESCO letztendlich heute noch versteht – „erfunden“ wurde.

Da auf dieses Gutachten im mittlerweile öffentlich gewordenen ICOMOS-Gutachten Bezug genommen und dabei seine inhaltliche Position missverständlich dargestellt wird, habe ich mich entschlossen, es der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Es findet sich hier auf der Seite unter Themen.

Derzeit wird der Antrag für eine Wiedereinreichung im Sinne einer Präzisierung und Pointierung überarbeitet. Die Sache selbst, der Naumburger Dom und die ihn umgebende Kulturlandschaft, besitzen weltweite Bedeutung, ob mit oder ohne befürwortende oder ablehnende Stellungnahmen.

Vortrag zur Kurlandschaft jetzt online

Vom 7. bis  9. März 2014 fand in Bad Kissingen das Symposium „Kurort und Modernität“ im Rahmen der transnationalen seriellen Bewerbung „Great Spas of Europe“ um die Aufnahme in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes statt.
Ich habe dort einen Vortrag zum Thema „Natur als Innovation. Die Landschaft historischer Kurorte als Therapeutikum“ gehalten. Dabei geht es um die Frage, wie Kurorte die sie umgebende Kulturlandschaft seit dem 18. Jahrhundert zu einer spezifischen „Kurlandschaft“ umgestaltet haben. Sie standen dabei auch in einem Wettbewerb um den Gast, dennoch haben alle bedeutenden Bäder im Wesentlichen mit einem sehr vergleichbaren Kanon gearbeitet.
Die Thematik hat bisher Volkmar Eidloth in zwei Beiträgen fundiert umrissen, der vorliegende Beitrag versteht sich als Erweiterung und Vertiefung dieser Ansätze. Die Beiträge des Symposium sollen publiziert werden, da das Thema aber sehr aktuell diskutiert wird, unter anderem wird ein Workshop unter dem Motto „Kurlandschaft als therapeutische Landschaft – ein vergessener Wert der europäischen Kurstädte“ am 9. und 10. Oktober 2014 in Bad Homburg stattfinden, stelle ich meinen Beitrag hier vorab zur Verfügung.

Heft 1/2013 von »Heimat Bamberger Land« erschienen – zugleich die letzte Ausgabe dieser Zeitschrift

Kurz vor Weihnachten ist das Heft 1/2013 unserer Zeitschrift »Heimat Bamberger Land« erschienen. Nach einer längeren Durststrecke gibt es also wieder mal eine neue Ausgabe. Dies ist allerdings aller Voraussicht nach das letzte aller Hefte. Mehr als 20 Jahre hat uns dieses Projekt beschäftigt, jetzt aber ist uns die Puste ausgegangen. Die Zahl der Abonennten und damit auch die finanziellen Ressourcen gingen laufend zurück. Es wurde auch immer schwieriger, Beiträge zu gewinnen.

Natürlich stellt sich die Frage, ob eine heimatkundliche Zeitschrift in dieser Form im Zeitalter des Internets noch das richtige Medium ist. Über eine Netzpublikation wird immerhin nachgedacht.

Jedenfalls bedanken wir uns bei allen Lesern und Autoren, die den manchmal durchaus steinigen Weg solange mit uns gegangen sind.

HBL Heft 1/2013

HBL Heft 1/2013

Neues Buch über die Frankenwaldflößerei

Gerd Fleischmann, Kreisheimatpfleger im Landkreis Kronach, hat zum Kreisflößertreffen 2013 in Unterrodach am 19.10.2013 sein neues Buch zur Frankenwaldflößerei vorgestellt: Die Frankenwaldflößer zwischen gestern und heute. Es ist ein Werk, dass sich bewusst an die breite Öffentlichkeit der Region wendet. Es ist reich mit historischen, aber auch aktuellen Aufnahmen bebildert, etliche davon bisher noch nie veröffentlicht. Die Texte sind verständlich und flott geschrieben und bilden in kurzen Kapiteln das ganze Spektrum der historischen – und das ist das eigentlich Besondere – auch der heutigen Traditionsflößerei ab. Die Arbeit der Floßvereine in Friesen, Neueses, Unterrodach und Wallenfels wird erstmals umfassend gewürdigt. In meist von Gerd Fleischmann selbst geschossenen Aufnahmen werden die vielfältigen Aktiviäten und die Akteure vorgestellt, die sich um den Erhalt des kulturellen Erbes der Flößerei und die Weiterführung des Floßbetriebs als Attraktion für Einheimische und Gäste des Frankenwaldes betreiben.
fleischmann_buch_umschlag 1
Da wirklich schöne Buch kostet 25 € und wird über den Verlag Frank de la Porte, Frankenstraße 17. 96328 Küps fdlp@fdlp.de vertrieben. Wer sich dafür interessiert, sollte sich beeilen, ein großer Teil der Auflage ist schon weg.

Ich habe für das Buch einen Beitrag mit dem Titel »Die Entwicklung der Flößerei im Frankenwald (S. 45 – 60)« geliefert, weswegen ich es auch hier vorstellen kann.