
Der UMM-Transfer-Workshop am 12. Januar 2025 im Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmalpflege (KDWT) an der Uni Bamberg unter der Leitung von Dr. Carmen Enss befasste sich mit der Nutzung historischer und damit natürlich analoger Karten für die Zwecke der Städtebaulichen Denkmalpflege unter dem Ansatz der Spatial Humanities. Es stellten sich Fragen, wie etwa Daten aus historischen Papierkarten digitalisiert und mit weiteren Informationen angereichert, mit anderen Karten oder Daten in Beziehung gesetzt und vertieft analysiert werden können. Natürlich soll das alles im Umfeld von Geoinformationssystemen (GIS) geschehen.
Auf dem Workshop sollten Methodenansätze zur raumbezogenen digitalen Quellen- und Datenanalyse im Austausch mit ExpertInnen der Spatial-Humanities-Fachcommunity diskutiert und fortentwickelt werden. Eine Publikation des Workshops mindestens in digitaler Form wird angestrebt.
Für den Workshop habe ich mich einer uralten Methode angenommen, der siedlungsgeographischen Korrespondenzmethode, deren Grundlage die wiederkehrende Nachbarschaftslage von Parzellen in der Flur ist, weswegen bei entsprechender Häufigkeit Rückschlüsse auf die Teilung von Höfen in der dazugehörenden Siedlung gezogen werden können und ein älterer, möglichst mittelalterlicher Zustand der Flurform rekonstruiert werden kann. Letzteres war das Hauptanliegen der traditionellen Siedlungsforschung in Verbindung mit der Korrespondenzmethode, in städtebaulich-denkmalpflegerischer Sicht steht eher die Entwicklung der Siedlungsstruktur im Vordergrund.
Nach dem in den 1960er Jahren dieser Ansatz in Verbindung mit der rückschreibenden Methode, d.h. die Einbeziehung aller archivalischen Quelle nach dem damaligen Stand der Möglichkeiten ausgereift war, fanden keine Fortentwicklungen mit Blick auf eine Digitalisierung mehr statt. Zudem fiel das Forschungsfeld innerfachlichen Umwälzungen in der Geographie nach 1968 nahezu vollständig zum Opfer. Außerdem standen Aufwand und Ergebnis oft in keinem vertretbaren Verhältnis zu einander. Sowohl die mühevolle händische Kartographie als auch der Zeitaufwand für die Archivforschung waren immens.
Andererseits bot sich kaum eine andere Methode der traditionellen Siedlungsforschung so sehr für eine Umsetzung im digitalen Umfeld an als diese. Die oft noch tiefer zu interpretierenden Ergebnisse sind meist so gut, dass sich die Durchführung solcher Projekte sicher lohnt, wenn der zeitliche Aufwand in Grenzen gehalten werden kann.
Schon 1988 hatte ich daher eine rechnerische Methode entwickelt, die von Dipl.Ing. Werner Neuhaus in einem DBase II-Programm umgesetzt wurde. Dazu mussten alle zu einer Hausnummer gehörenden Flurnummern aus dem Grundsteuerkataster extrahiert werden, immer noch ein Aufwand von 2-3 Tagen Archivarbeit je nach Dorfgröße.
Nun sind aber die Uraufnahmepläne für ganz Bayern im Bayernatlas verfügbar. Mehr als die digitalisierten Parzellenpolygone und die auf den Plänen verzeichnete Hausnummer des Besitzers der Parzelle braucht man zunächst nicht, um den Schritt von einer rechnerischen Methode zu einer GIS-basierten und damit räumlichen zu gehen.
Zur Auswertung habe ich das QGIS-Plugin „Korrespondenzmethode Historische Geographie“ entwickelt. Es liegt derzeit in der Version 0.1 vor, ist aber bereits an mehreren Gemarkungen getestet worden. Es wird ergänzt durch ein Python-Skript, das eine Grafik der einzelnen Hofbeziehungen im Mermaid-Format ausgibt. Beide Programme sind selbstverständlich Open Source, aber noch nicht über ein Repository abrufbar. Bei Interesse können sie über eine EMail-Anfrage an den Autor zugänglich gemacht werden.
Darüber habe ich unter dem Titel „The historical-geographical correspondence method („Korrespondenzmethode“) in GIS“ auf dem Workshop berichtet. Das Referat ist bereits unter dem Menüpunkt Vorträge abrufbar. Eine ausführliche Erläuterung mit offengelegter Datenbasis und Skripten sowie eine Einordnung in den Forschungszusammenhang soll folgen.
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