Adam Friedrich von Seinsheim als Landschaftsgestalter und Landesplaner

Autor:in

Thomas Gunzelmann

Veröffentlichungsdatum

20. Juni 2008

Vorliegender Text wurde in seinem ersten Teil (Seinsheim als Landschaftsgestalter) als Vortrag am 20.6.2008 auf dem Symposium der Universität Bamberg zum „300. Geburtstag von Ferdinand Tietz und Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim“ in Schloss Seehof gehalten und für die Online-Fassung um den Teil „Seinsheim als Landesplaner“ erweitert und mit wissenschaftlichem Apparat versehen.

Regent und Gartenliebhaber in Zeiten der Krise

Adam Friedrich von Seinsheim, Fürstbischof in Bamberg und Würzburg

1 Johann Prokop Mayer: Pomona Franconia oder natürliche Abbildung und Beschreibung der besten und vorzüglichsten Europäischen Gattungen der Obstbäume und Früchte, welche in dem Hochfürstlichen Hofgarten zu Würzburg gezogen werden. Bd. 1. Nürnberg 1776, S. LXVIII, Anm. ee; zit. nach Q 578 bei Erich Schneider: Die ehemalige Sommerresidenz der Würzburger Fürstbischöfe in Werneck. (=Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte. VII. Reihe, Band 14). Neustadt/Aisch 2003.

Schon die Zeitgenossen Adam Friedrichs von Seinsheim sahen den Fürstbischof als Gartenliebhaber, und mehr noch, auch als Gartengestalter. Sein Würzburger Hofgärtner Johann Prokop Mayer äußerte sich – sicherlich nicht ganz unparteiisch und uneigennützig – höchst lobend über ihn in seinem 1776 erschienenen Werk „Pomona Franconica“: „Die prächtigen Gärten zu Veitshöchheim, Werneck und Seehof, die diesem großen Fürsten ihre ganze neue Gestalt zu verdanken haben, bleiben ein ewiges Denkmal seines erhabenen Geschmacks.1

Er wurde aber auch schon als Förderer von Handel und Verkehr und der gesamten Wohlfahrt seiner beiden Länder gepriesen. Nicht zu Unrecht, auch aus heutiger Sicht, wurde ihm auf seinem Epitaph der Titel „regenerator viarum publicarum“ verliehen2, ein biografischer Beitrag aus den 1950er Jahren bezeichnete ihn gar als „friderizianischen“ Bischof.3

2 Harald Ssymank: Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheims Regierung in Würzburg und Bamberg: 1755 - 1779. Diss. Würzburg 1939, hier S. 100.

3 Hellmuth Rößler: Der friderizianische Bischof. Adam Friedrich von Seinsheim. In: ders, Fränkischer Geist, deutsches Schicksal. Ideen - Kräfte - Gestalten in Franken 1500-1800 (= Die Plassenburg 4), 1953, 290-297.

4 So beispielsweise Burkard von Roda: Adam Friedrich von Seinsheim - Auftraggeber zwischen Rokoko und Klassizismus. Zur Würzburger und Bamberger Hofkunst anhand der Privatkorrespondenz des Fürstbischofs (1755 - 1779). Neustadt/Aisch 1980. (= Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte 8. Reihe, Band 6), hier S. 90: „Seine größte Popularität genießt Adam Friedrich von Seinsheim heutzutage als Gartenliebhaber …“. „Ein besonderes Anliegen waren ihm die Gartenanlagen mit ihren Wasserkünsten in Veitshöchheim und Seehof.“; vgl. Egon Johannes Greipl: Seinsheim, Adam Friedrich Reichsgraf von (1708 - 1779), in: Erwin Gatz (Hrsg.): Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches: 1648 bis 1803. Berlin 1990, S. 455 - 458.

5 Georg Lohmeier: Ein Fürstenleben im mainfränkischen Rokoko: Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim. Nürnberg 1971, hier S. 23.

Auch heutige Biografen und Historiker würdigen Adam Friedrich von Seinsheim in erster Linie als Gartenliebhaber und Gartengestalter, der sich weit mehr als herrschaftlichen Bauten, die er oft nur im Innern zu vollenden oder neu zu gestalten hatte, seinen Anlagen im Würzburger Hofgarten, in Veitshöchheim und in Seehof mit Tatendrang zuwandte.4 Von der Bauwut seiner Vorgänger auf dem Bamberger und Würzburger Bischofstuhl – gleichzeitig seine Verwandten mütterlicherseits – sei bei ihm wenig übrig geblieben, allerdings verweist man in der Literatur auch darauf, dass er zwar die Anlage gehabt hätte, aber die Zeiten mit dem Siebenjährigen Krieg und der dadurch bedingten Schuldenlast eben nicht danach gewesen seien.5

Hier soll es nicht nur um die Frage gehen, was Adam Friedrich auf den Gebieten der Landschaftsgestaltung und der Landesplanung geleistet hat, sondern auch darum, wie seine Bemühungen auf diesen Gebieten in der Umbruchszeit zwischen Rokoko und Frühklassizismus, zwischen Spätabsolutismus und Aufklärung hinsichtlich ihres Festhaltens an der Tradition oder ihrer Modernität einzuordnen sind. Unter Landschaftsgestaltung soll hier weniger die Anlage oder der Umbau von Gärten, sondern vor allem ihre Verbindung mit der umgebenden Landschaft, aber auch mit der jeweiligen Stadt verstanden werden. Aber auch städtebauliche Maßnahmen zur Anpassung des Stadtgrundrisses an bestimmte Leitvorstellungen der Zeit sollen in diesem Zusammenhang Beachtung finden.

Bei der Landesplanung – sofern man diesen Terminus technicus des 20. Jahrhunderts überhaupt auf das 18. Jahrhundert anwenden kann – geht es um die innere Ordnung und zweckmäßige Erschließung des Staatsgebietes vor allem im Hinblick auf seine wirtschaftliche, aber auch verwaltungsmäßige, religiöse und soziale Entwicklung.

Als Landesherr der beiden benachbarten fränkischen Hochstifte hatte Seinsheim nur wenige Vorgänger, die konsequent ihre Anstrengungen auf letzteres Gebiet richteten. Lediglich einer unter ihnen hatte Herausragendes, bis heute Nachwirkendes geleistet – Julius Echter von Mespelbrunn, Fürstbischof von Würzburg von 1573-1617. Befördert durch seine lange Regierungszeit, getragen aber auch von einem wirtschaftlichen Aufschwung, gelang es ihm, ein umfangreiches Bauprogramm, bestehend aus Landkirchen, Amtshäusern und Zehntscheunen, Schulen und Pfarrhäuser, aber auch Spitälern und Klöstern bis in die letzten Winkel seines Landes hinein zu verwirklichen.6 All dies stand unter Leitbild der Gegenreformation und dem Gedanken, den alten Glauben im Hochstift Würzburg unangreifbar neu zu verankern. Dass er dabei den Fokus auf seine eigene Person und Leistung lenken wollte, zeigen die vielen Inschrifttafeln, die er an seinen Bauten anbringen ließ und die stets seinen Part deutlich herausstellten. Auch wenn es sich nicht direkt aus Schriftquellen nachweisen lässt, so vermutet die Forschung doch eine gut funktionierende zentrale Planung, in der sich der Fürstbischof die entscheidende Rolle gesichert hatte.7 Der Ausbau der Landkirchen wird sogar als „Gesamtprogramm” gesehen8 und zwar nicht allein in organisatorischer, sondern aufgrund ihrer großen Einheitlichkeit auch in gestalterischer Hinsicht. Ja, es wird sogar ein „Einheitsplan” für die hohen, spitzen Turmhelme der Echterzeit vermutet, die noch heute die unterfränkische Landschaft ganz wesentlich prägen.9 Keiner seiner Nachfolger war in der Lage, auch nur annähernd konsequent sein ganzes Land zu formen, zumal sich die Fürstbischöfe im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert dem Ausbau ihrer eigenen Residenzen und Landsitze vordringlich widmeten und darüber das Land als Ganzes in den Hintergrund treten ließen.

6 Zum Bauprogramm mit allen Einzelbauten vgl. Barbara Schock-Werner: Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn 1573 -1617: Struktur, Organisation, Finanzierung und künstlerische Bewertung. Regensburg 2005.

7 Schock-Werner, Julius Echter, (wie Anm. 6, S. 457.

8 Schock-Werner, Julius Echter, (wie Anm. 6), S. 213.

9 Schock-Werner, Julius Echter, (wie Anm. 6), S. 35 und 457.

10 Zum Leben Ssymank, Adam Friedrich, (wie Anm. 2), S. 6.

11 Vgl. Ssymank, Adam Friedrich, (wie Anm. 2), S. 5.

Am 7.1.1755 wurde Adam Friedrich von Seinsheim in Würzburg zum Bischof gewählt, wo er bereits seit 1748 den einflussreichen Posten des Präsidenten des Hofkammerrates und des Hofkriegsrates besetzte. Zwei Jahre später wurde er auch Fürstbischof in Bamberg.10 Obwohl er aus einer ursprünglich zwar fränkischen, jedoch seit zwei Jahrhunderten aber im Altbayerischen verwurzelten Familie mit Sitz in Sünching südlich Regensburg stammte, war jedoch über seine Mutter Anna Philippine von Schönborn bestens in den main- und rheinfränkischen geistlichen Herrschaften verankert. Drei seiner Onkel waren Fürstbischöfe: Johann Philipp Franz von Schönborn (1673 - 1724) in Würzburg (reg. 1719 - 1724), der ursprüngliche Bauherr der Würzburger Residenz, Damian Hugo (1676 - 1743) in Speyer (reg. 1719 - 43) und Konstanz (reg. 1740 - 43), Franz Georg (1682 - 1756) Kurfürst in Trier (reg. 1729 - 1756) und Bischof in Worms (reg. 1732 - 1756) und schließlich Friedrich Karl von Schönborn (1674 - 1746), Fürstbischof von Bamberg (reg. 1729 - 1746) und Würzburg (reg. 1729 - 1746), dessen beide Stühle er etwa 10 Jahre später übernehmen sollte. Letzterer hatte auf seine politisch-geistige Entwicklung, sicherlich aber auch auf seine Karriere den bedeutsamsten Einfluss.11

Welche Länder konnte nun Adam Friedrich von Seinsheim regieren? Reiseberichte in den Hochstiften Würzburg und Bamberg zum Ende der Seinsheimzeit sind häufig voll des Lobes über blühende Landschaften. Nach Ansicht des Historikers und Diplomaten Philipp Wilhelm Gercken gehörte Franken „mit Recht unter die besten und fruchtbarsten Länder von Deutschland. Es hat alle Produkte, die zum menschlichen Leben nöthig sind … mit einem Worte, ein gesegnetes Land.”12 Zur Region um Schloss Seehof meint derselbe Autor:„Die ganze Gegend und die Fruchtbarkeit des Landes ist allerdings herrlich: ob aber Bamberg deswegen Klein Italien in Deutschland genennet zu werden verdiene, wollte ich doch zweifeln, wenn ich gleich nicht in Italien gewesen bin.”13

12 Philipp Wilhelm Gercken: Reisen durch Schwaben, Baiern, angränzende Schweiz, Franken, die Rheinischen Provinzen und an der Mosel und durch Italien in den Jahren 1779 bis 1783. 3 Bde. Stendhal 1783—88, S. 239.

13 Gercken, Reisen, (wie Anm. 12), S. 384.

14 Von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4 ), S. 58 - 61. Er hat das Bild mit guten Argumenten auf 1761 datiert, nachdem es zuvor Franz Friedrich: Das Doppelbildnis Adam Friedrich/Maximilian Clemens von Seinsheim von Nikolaus Treu aus der Glanzzeit des Schlosses Seehof. In: BVHB 112/1976, S. 279 - 294.

15 Eine fulminante Analyse zum Thema lieferte Ernst Schubert: Arme Leute, Bettler und Gauner im Franken des 18. Jahrhunderts. Neustadt a.d. Aisch 2. Aufl. 1990. (=Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte 9, 26).

Die Realität sah in der Regierungszeit Seinsheims anders aus. Dabei war es beileibe nicht nur der Siebenjährige Krieg, dessen schwarze Gewitterwolken den mit den Plänen der Seehofer Kaskade befassten Fürstbischof auf dem Gemälde von Nicolaus Treu, wohl von 1761, bedrohen.14 Nicht nur die politischen Verhältnisse waren krisenhaft, vielmehr waren es – zumindest für überwiegende Teile der Bevölkerung – die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse.15

Eine der Hauptursachen hierfür ist die demografische Entwicklung im 18. Jahrhundert. Schon um 1680 waren im Hochstift Bamberg die Bevölkerungsverluste des 30-jährigen Krieges ausgeglichen, bis 1730 stiegt die Bevölkerung nochmals um 50% an. Unter Friedrich Karl, der das Ventil der Auswanderung durchaus auch aus Eigeninteresse nutzte16, wuchs sie kaum mehr. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zur Säkularisation wuchs die Einwohnerzahl erheblich weiter.17 Im Hochstift Würzburg stieg die Einwohnerzahl zwischen 1750 und 1790 von etwa 250.000 auf 280.000 Einwohner.18 Nun wäre ein solches Wachstum von 16 % durchaus verkraftbar gewesen, wenn sich die Nahrungsgrundlagen im gleichen Zeitraum ebenso ausgeweitet hätten. Das Gegenteil aber war der Fall. Bamberg und Würzburg waren in der Regierungszeit Adam Friedrichs noch nahezu reine Agrarstaaten, Würzburg noch stärker als Bamberg.

16 vgl. Klaus Guth: Auswanderung aus den Hochstiften Bamberg und Würzburg nach Oberungarn im Zeitalter der Schönborn. Modernisierung des Staates im Konflikt zwischen öffentlichem Wohl und Privatinteresse. In: Mainfränkisches Jahrbuch 52/ 2000, S. 131 - 143.

17 Ob sie sich in diesem Zeitraum im Hochstift Bamberg wirklich verdoppelte, wie Otto Morlinghaus: Zur Bevölkerungs- und Wirtschaftsgeschichte des Fürstbistums Bamberg im Zeitalter des Absolutismus. Erlangen 1940, hier S. 79 berechnete, wäre mit modernen Methoden zu überprüfen.

18 Robert Selig: Räutige Schafe und geizige Hirten – Studien zur Auswanderung aus dem Hochstift Würzburg im 18. Jahrhundert und ihre Ursachen. Mainfränkische Studien, Band 43, Würzburg 1988, S. 91.

19 Thomas Gunzelmann: „Wir führen aus, um auszuführen.“ Aspekte der Geschichte der Flößerei in Kronach. In: Bernd Wollner/Hermann Wich (Redaktion): Historisches Stadtlesebuch. Kronach 1000 Jahre Geschichte einer Stadt und ihrer Bewohner. Kronach 2003, S. 314 - 343, hier S. 324.

20 Von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4), S. 113.

21 Vgl. den Einbruch der Tannenpreise bei den Dordrechter Holzauktionen (1753–1756) und 1764–1766); Ebeling, Dietrich: Der Holländerholzhandel in den Rheinlanden. Zu den Handelsbeziehungen zwischen den Niederlanden und dem westlichen Deutschland im 17. und 18. Jahrhundert. Vierteljahreszeitschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Beihefte Nr. 101. Stuttgart 1992, hier S. 129 und 45–57.

Im Hochstift Bamberg gab es immerhin noch etwas Bergbau und als einziges wirklich exportorientiertes Gewerbe den Floßholzhandel des Frankenwaldes, der die ganze „Pfaffengasse” am Main und zum Teil am Rhein mit Bauholz versorgte.19 Es handelte sich allerdings um ein höchst krisenhaftes Gewerbe, was auch Adam Friedrich von Seinsheim zu spüren bekam, als er 1769 eiserne Wasserleitungsrohre für Seehof im Wert von 20000 fl. aus dem Holzverkauf an die Holländer finanzieren wollte, was nicht gelang.20 Die Preise für Weichholz verfielen immer wieder, zudem gab es Handelskämpfe, die schließlich in ein rheinisches Kartell gegen den fränkischen Holzhandel mündeten21, sodass auf die Einkünfte aus dem einzigen exportorientierten Gewerbe kein Verlass war.

Die Grenzen der agrarischen Tragfähigkeit waren unter den Bedingungen der Feudalherrschaft und der Dreifelderwirtschaft um die Mitte des Jahrhunderts bereits erreicht. Die überwiegend vorherrschende Realerbteilung sorgte dafür, dass die agrarische Nutzfläche pro Hofeinheit immer geringer wurde, während die Erträge kaum gesteigert werden konnten. Unter solchen Bedingungen konnte jede schlechte Ernte zu einer Hungersnot führen. Besonders schlimm waren die Hungerjahre von 1770 und 1771, die die Sterblichkeitsrate in diesem Zeitraum verdoppelten.22 Dennoch verwahrte sich Seinsheim gegen das mögliche Ventil der Auswanderung, denn er sah ganz im Sinne des Merkantilismus Wohlstand, Macht und Ansehen seiner Länder in direkter Abhängigkeit von ihrer Einwohnerzahl. Von daher erließ er strenge Restriktionen: „In des Unterthanen freyer Willkür keineswegs stehet, sich dem seiner Höchsten Landes=Herrschaft schuldige Gehorsam zu entziehen.”23 Die Verelendung weiter Volkskreise schritt fort, sie konnte auch nicht durch Gegenmaßnahmen, auf die noch zu kommen sein wird, gebremst werden. Der Fürstbischof sah aber wohl nicht den direkten Zusammenhang zwischen dem Bevölkerungswachstum und der Pauperisierung bei mangelnden außerlandwirtschaftlichen Erwerbsmöglichkeiten, er führte sie auf mangelnden Leistungswillen zurück: „Der leydige Müssiggang ist der einzige Ursprung des Uebels, indeme bekannt ist, dass bey so vielen Hof und ander arbeiten fast kein Taglöhner zu haben, aller Orten aber faullenzer genug anzutreffen seyen, man vertreibe also und verfolge diese letzten als eine pestem rei publicae und weisse denen anderen nach Beschaffenheit ihrer Kräffte und umständen Verdienst und arbeith an, woran es … nicht manglen kann”.24 Vielleicht ist das einer der entscheidenden Gründe, warum die Zeit „keine großen Bauaufgaben mehr zu vergeben hatte.”25 Der Zusammenhang zwischen dieser wirtschaftlichen Grundsituation und den fehlenden großen Bauprojekten in der Seinsheim-Ära wurde in der Forschung jedenfalls noch nicht thematisiert.

22 Vgl. Schubert, Arme Leute, (wie Anm. 15), hier S. 18.

23 Zit. nach Adalbert Hauck: Die Massenhochzeit im Jahre 1764 in Höpfingen. Online-Publikation http://www.heimatverein-hoepfingen.de/auswan1.htm, abgerufen 15.10.08. Weitere Hinweise auf Auswanderungsverbote Seinsheims bei Selig, Räutige Schafe, (wie Anm. 18).

24 Zit. nach Selig, Räutige Schafe, (wie Anm. 18), 95/96

25 Peter Ruderich: Die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt zu Vierzehnheiligen: eine Baumonographie. Bamberg 2000, S. 249.

Adam Friedrich von Seinsheim als Landschaftsgestalter

Mehrfach hat die Forschung Adam Friedrichs Rolle als Gartengestalter betont, die schließlich dazu führte, dass Veitshöchheim und Seehof zu den Hauptwerken der Gartenkunst des Rokoko in Deutschland zu zählen sind.26 Persönliche Vorlieben des Bischofs waren dafür sicherlich ausschlaggebend, neben der Jagdleidenschaft spielt sicherlich die Freude am Landleben eine gewichtige Rolle: „Mir ist dessentwegen auch das Landleben so angenehm, weillen immer dissipationes finde, und mich mehr in der freyen Luft befinden kann, wo ich mich hier wie in einem goldenen Kerker aufhalten mues.“27 Ob dies die einzige Ursache für seine Schwerpunktsetzung auf dem Gebiet der Gartengestaltung war, oder ob nicht auch die wirtschaftlichen und sozialen Sachzwänge einer krisenhaften Zeit zu einer Beschränkung auf dieses Gebiet führen mussten, wäre noch stärker herauszuarbeiten.

26 Von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4), S. 110.

27 Adam Friedrich von Seinsheim an Joseph Franz von Seinsheim am 7.2.1768, zit. nach von Roda, Seinsheim (wie Anm. 4), S. 91.

Johann Theodor Sebastian Müller: „Grund Risse der Seehöfer Refier“ (Ausschnitt), kolorierte Federzeichnung, 105,6 x 74,0 cm, 1782 StAB A 240 R 77.

Schon seine erste Baumaßnahme nach der Bischofswahl war ab 1756 der Orangeriebau im Südgarten des Würzburger Hofgarten, deren Durchführung jedoch während des Siebenjährigen Krieges stockte und in nie in der vorgesehenen Form fertiggestellt wurde.28

28 Von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4), S. 36 - 40.

29 Literatur zum Garten von Seehof: Margarete Kämpf: Das fürstbischöfliche Schloß Seehof bei Bamberg. Mit einem Quellen-Anhang unter Mitarb. von Wilhelm Biebinger. In BHVB 93/94. 1954/55 (1956), S. 25 - 254; Bernd Wolfgang Lindemann: Ferdinand Tietz 1708 - 1777. Studien zu Werk, Stil und Ikonographie. Weißenhorn 1989 ; Alfred Schelter: Der Garten von Schloss Seehof – Geschichte und Restaurierung. In: Heimat Bamberger Land 3 (1991); Schelter, Alfred: Schloss Seehof als „Hochfürstliches Jagdschloss” und Wirkungsstätte Balthasar Neumanns. In: Jagdschlösser Balthasar Neumanns in den Schönbornlanden. Ausstellung Residenz Würzburg, München 1994, S. 131-137 (= Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege 68); S. 39 - 60, Gisela Masching-Beck: À la Mode – das Lustschloss Marquardsburg ob Seehof 1757 bis 1779: Quellen zu seiner Ausstattung und Funktion. Berlin 1996; Alfred Schelter und Michael Petzet: Schloss und Park Seehof. Amtlicher Führer. München 2005; Sebastian Wacker: Die Gartenanlage von Schloss Seehof bei Bamberg. Magisterarbeit Uni Bamberg 2004.

30 Marion Dubler: Bambergs schöne Gärten. Geschichte und Geschichten, Bamberg 2001, hier S. 65 - 67.

31 Von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4), S. 110.

32 Vgl. Wacker, Gartenanlage, (wie Anm. 29), S. 45, Brief editiert bei Masching-Beck, Quellen, (wie Anm. 29), A 20.

33 Manfred Schuller: Die Kaskade von Seehof. Bauforschung und Dokumentation. (= Arbeitsheft 29 des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege), München 1986.

Obwohl er mit der Würzburger Orangerie auf halben Weg stehen geblieben war, wandte er sich ebenfalls noch im Krieg der Gartenanlage von Seehof zu.29 Dort hatte schon wenige Jahre vor seinem Regierungsantritt Fürstbischof Philipp Anton von Franckenstein (1746-1753) mit der Berufung von Ferdinand Tietz zum Hofbildhauer 1748, mit 104 Statuen für eine skulpturale Ausstattung des Gartens gesorgt. 1752/53 errichtete er westlich an den Orangeriekomplex anschließend das Gärtnerhaus und im Osten das heute abgegangene Franckenstein-Schlösschen als kleines privates „maison de plaisance” am Rande der Schlossanlage. Franckenstein ließ auch bereits 1751 ein Wasserreservoir zum Betrieb von Wasserkünsten errichten. Sein Nachfolger Konrad von Stadion (1753-1757) entließ Ferdinand Tietz und ließ die Arbeiten stagnieren, obwohl er auch als Gartenliebhaber gelten darf, der in der Stadt Bamberg sich noch als Domherr ab 1731 einen stattlichen Garten am Fluss anlegen ließ.30 Adam Friedrich holte nun noch im Krieg Ferdinand Tietz aus Trier zurück, wo er zwischen 1760 und 1764, sowie nach einer Unterbrechung wegen seiner Arbeit in Veitshöchheim nochmals zwischen 1768 und 1773 tätig war und in dieser zweiten Seehofer Phase über 300 Statuen für den Garten schuf.31 Unter ihm vollzog sich die Umgestaltung des im Wesentlichen noch aus der Zeit von Friedrich Karl von Schönborn stammenden Barockgartens in einen Rokokogarten, wobei das bestehende Grundraster beibehalten wurde. Die Umgestaltung erfolgte auf vier Ebenen. Zum einen wurde die skulpturale Ausstattung des Gartens vervollständigt, zum anderen wurden die Wasserkünste wesentlich erweitert, die für Seinsheim der zentrale Bestandteil des Gartens überhaupt waren: In einen Brief an den Kardinal von Speyer, Franz Christoph von Hutten äußert sich Seinsheim entsprechen: „Jedermann, welcher diesen garten gesehen, bedauret den abgang des springenden wassers und wir machen uns keine geringe angelegenheit daraus, wie wir diesen mangel ersetzen, dann andurch diesen garten die seele gleichsam geben können.32 In den Jahren 1761 bis 1764 wurde die Kaskade als Hauptelement der Wasserkünste im Wesentlichen fertiggestellt, eine befriedigende Wasserversorgung konnte allerdings erst 1772 gewährleistet werden.33 Der dritte Bereich, in welchem Seinsheim sich betätigte, war die Anlage eines Labyrinthes im Nordwestquartier und schließlich der vierte die Gestaltung der dem Park südlich und westlich vorgelagerten Bereiche des Hauptsmoorwaldes. Gerade letzteres Thema, die Verklammerung von Seehof mit der Stadt und der umgebenden Landschaft ist hinsichtlich der Frage der Landschaftsgestaltung unter Adam Friedrich von Seinsheim sehr aufschlussreich.

Obwohl dieses System der landschaftlichen Verklammerung von Schloss und Park Seehof durch historische Karten, Pläne und Ansichten und ansatzweise auch durch Schriftquellen recht gut dokumentiert ist, wurde es in der bisherigen Forschung noch nicht ganz zutreffend beschrieben und analysiert.34 Zunächst ging man von drei in den Hauptsmoorwald ausstrahlenden Achsen aus, zuletzt von vier, es sind aber fünf. Zudem sind alle Autoren der Auffassung, dass davon nichts mehr erhalten sei, vor allem wegen der heutigen Nutzung als Truppenübungsplatz.35 Dennoch ist es in Resten von Wege- und Straßenführungen wie auch in Parzellenstrukturen und Weiherkanten erhalten und für den Kundigen ablesbar, ja es besteht sogar noch eine bisher übersehene Sichtachse.

34 Von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4) schreibt noch 1980: „Bisher völlig unbekannt – und hier nur anzuschneiden – ist die ehemalige Erstreckung des Seehofer Gartenbereichs in weite Teile des Hauptsmoorwaldes hinein.” Manfred Schuller, Kaskade, (wie Anm. 33) spricht nur von drei Blickachsen, deren westlichste auf die Domtürme ziele; Lindemann, Tietz, (wie Anm. 29), S. 232, spricht von einer Ergänzung des alten Durchhiebs durch zwei weitere Schneisen nach der Art der „patte d’oie”. Er erkennt auch die östlichste Schneise, bindet sie aber nicht in das Gesamtsystem ein, das mit der östlichsten Schneise dann nicht mehr symmetrisch wäre. Am ausführlichsten befasst sich die Magisterarbeit von Wacker, Gartenanlage, (wie Anm. 29) mit dem Aspekt der landschaftlichen Einbindung von Schloss und Garten, allerdings übersieht auch er in seiner Rekonstruktion des Achsensystems die fünfte, westlichste Achse, die für die Symmetrie des ganzen Systems unbedingt notwendig ist.

35 Vgl. Lindemann, Tietz, (wie Anm. 29), S. 233, „…die großzügigen Anlagen – sie sind heute restlos untergegangen…”

Dieses System bestand aus zwei Komponenten: Einer Basislinie, die die west-östliche Hauptachse des Gartens aufgreift und in die Landschaft verlängert sowie einem Fünfstrahl mit einer Aufweitung von etwas mehr als 90°, dessen Ausgangspunkt auf der Basislinie in der Mitte des Schlosses aufsitzt.

Der Fünfstrahl der Waldschneisen südlich von Seehof auf dem aktuellen Luftbild

In Ansätzen war dieses System auch schon vor Seinsheim vorhanden und endgültig komplettiert wurde es mit dem Bau der Schweizerei36 1782 erst drei Jahre nach seinem Tod, aber man darf wohl mit Bestimmtheit sagen, dass seine geometrische Regelmäßigkeit und seine inhaltliche Ausgestaltung auf die Vorstellungen des Fürstbischofs zurückgehen.

36 Bruno Müller: Die Schweizerei von Seehof bei Bamberg. In: Fränkische Blätter für Geschichtsforschung und Heimatpflege 2/1950, S. 29; Regina Hanemann: Johann Lorenz Fink (1745 - 1817). Fürstbischöflicher Hofwerkmeister und Hofarchitekt in Bamberg, München 1993 (= Beiträge zur Kunstwissenschaft 49), hier S. 31.

37 Kämpf, Seehof, (wie Anm. 29), Q 35, Revisionsprotokoll der Hofkammer vom 6. Juni 1704 (StAB, Hofkammerakten, Rep. 113/I, Bd. 2, n. 53).

38 Salomon Kleiner: „Accurate Vorstellung des Hochfürstl. Bambergischen Jagd-Schlosses, Marquardsburg oder Seehoff genannt, samt dem dar zu gehörigen vortrefflichen Lust-Garten”. Augsburg 1731

39 Hans Ramisch: Zum Quellenwert von Salomon Kleiners Darstellungen des Schlosses und Parks Seehof bei Bamberg, in: Kunstspiegel, 1. Jg. (1979), Heft 2, S. 15-22; Helmut-Eberhard Paulus: Salomon Kleiner (1703-1761). Vedutenzeichner im Auftrage des Hauses Schönborn, in: Ars Bavarica 33/34 (1984), S. 125-138, hier S. 131.

Von einem ersten „Durchhieb”37 war schon unter Lothar Franz von Schönborn 1704 die Rede, ohne dass sicher nachzuweisen wäre, um welche der Schneisen in den Hauptsmoorwald hinein es sich handelte und ob er schon als Sichtverbindung zur eben fertiggestellten Residenz gedacht war. Die Stichfolge von Salomon Kleiner 38 gibt Schloss und Garten um Zustand um 1725 unter Friedrich Karl von Schönborn wieder. Sie wird allerdings wohl zu Recht als eine Mischung aus Realität und den Wunschvorstellungen des Auftraggebers bewertet, der durchaus auch Zwecke der Selbstdarstellung verfolgte.39 Auf zwei Blättern wird hier schon das Ausgreifen in die Landschaft gezeigt. Der „Haupt-Prospekt” spricht recht undeutlich von der „gehauenen Allee durch den Wald”, während der „Prospekt des Boulingrin” unter dem Punkt a dezidiert „die ausgehauene Allee in dem Wald Hautschmor, durch welche man von dem Hoch-Fürstl. Schlosse die Stadt Bamberg sehen kann” aufzeigt. Allerdings weisen beide Durchhiebe auf Kleiners Stichen nach Südosten, obwohl die Blickrichtung zur Stadt nach Südwesten geht, was sicherlich auf Kleiners mangelnde Ortskenntnis zurückzuführen ist und nicht schon auf einen Durchhieb nach Südosten um 1725. Aufgrund des zweifelhaften Quellenwertes der Kleiner-Stiche lässt sich eben noch nicht restlos sicher die tatsächliche Existenz dieser Blickverbindung zu dieser Zeit belegen.

Die Waldschneise von Seehof zur Residenzstadt Bamberg aufdem Stich von Salomon Kleiner 1731 (Ausschnitt).

1733 ist Balthasar Neumann selbst mit einem Durchhieb beschäftigt, der nun wohl schon in erster Linie zu Jagdzwecken angelegt wurde, vielleicht handelt es sich schon um die mittlere Achse vom Schloss aus direkt nach Süden.40 Auch Johann Jakob Michael Küchel ist 1738, als er in Seehof die westliche Toranlage konzipiert,41 an der Planung eines „neuen Durchhiebs“ beteiligt, wobei noch nicht klar ist, welcher der späteren fünf Achsen er entspricht.42

40 „Der ausschnid in dem wald ist sehr schön und räumen die leyte die stöck und wurzel aus und lasset sich schon wildbret do sehen. Die gegen den Seehof zu mehreren öffnung ist zwar noch nichtgeschehen; man wird aber bald daran anfangen …“ Kämpf, Seehof, (wie Anm. 29), S. 186 f.

41 Vgl. Joachim Hotz: Johann Jacob Michael Küchel: Sein Leben, seine Mainzer Zeit und seine Tätigkeit für die Landschlösser des fränkischen Adels. Lichtenfels 1963, S. 34.

42 Kämpf, Seehof, (Wie Anm. 29), S. 211, Q 109

43 Von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4), Q 135, S. 232.

44 Masching-Beck, Mode, (wie Anm. 29) P 92 (StAB, A 231/I Nr 2344/VI (Nr. 17/7.02.1765).

45 Von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4), S. 232, Q 135 und 135a.

46 Von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4), S. 233, Q 138.

47 Vgl. Wacker, Gartenanlage, (wie Anm. 29), S. 84, Masching-Beck, Mode, (wie Anm. 29) A 100 (StAB, B 53, Nr. 353, Prod. 70).

Konsequent zusammengefasst wurden alle diese Ansätze erst durch Adam Friedrich von Seinsheim nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges. Der Ausbau einer „neuen Anlag in dem Wald“43 steht wohl in direktem Zusammenhang mit der Fertigstellung der Kaskade im Jahr 1765, die mit ihrer offenen Ausrichtung nach Süden einen Konterpart auf der anderen Seite des „Oberen Altsees“, des später so genannten „Figurenweihers“ geradezu herausforderte. Jedenfalls wird 1765 sogar ein Modell der „neuen Anlag in dem Walt“ hergestellt.44 Am 17.2.1766 schreibt Adam Friedrich von Seinsheim an seinen Bruder: „Heit … ware ich in dem Seehof, allwo ich ville arbeit gefunden gehabt in dem Wald seynd schöne Allées gehaut und werden artige Häuser von Tuffstein aufgeführt, welche vorn zum Hirschschießen und hinten zum Sauschießen tauglich sind“; und wenig später: „Gestert ware ich in dem Seehof, um sowohl die neue Anlag in dem Wald, allwo ein Schirm nach dem andern gesetzt wird … zu sehen.45 Und schließlich am 1. Juni 1766 „…Die Arbeit des Prospects und des wilden Theatri ist vast fertig und wird von dem Wild immer begangen …“46 Einen gewissen Endpunkt erreichte die Ausgestaltung des Hauptsmoorwaldes 1771, als am Ende der zweiten Schneise von Osten eine Kolonnade errichtet wurde.47

Der Fünfstrahl der Waldschneisen südlich von Seehof auf der aktuellen topographischen Karte 1:25.000.

Obwohl eigentlich die naheliegendste, ist die Hauptachse des Gartens zwischen dem westlichen Haupttor und dem Schweizerei-Tor erst relativ spät in die Landschaft verlängert worden, zu einer Zeit, als die Ausgestaltung des Quartiers im Hauptsmoorwald schon weitgehend abgeschlossen war.48 Der Fasaneriebau westlich des Schlossgartens, schon der zweite, denn der älteste lag im Bereich des Alten Seehofes49, war 1767 so baufällig, dass Adam Friedrich an einen Neubau dachte.50 Dieser sollte „… in der mitte des fasanengarten auf solchem platz und entfernung, wo dieses neu zu erbauende haus einen guten prospect gegen unser dahiesiges lustschloß abgeben kann …“ errichtet werden.51 Damit war die westliche Verlängerung der Achse einschließlich eines point de vue 1769 gegeben, während die östliche noch auf sich warten ließ. Sie konnte erst 1782, drei Jahre nach dem Tod von Adam Friedrich von Seinsheim mit dem Neubau der Schweizerei fertiggestellt werden. Der damalige Hofwerkmeister Lorenz Fink stellte sich jedoch bewusst in die Tradition und korrigierte einen vorliegenden Entwurf des Mauermeisters Schumm, damit „nach solchen die gleichheit der phanserie nicht zum prospekt herausfiele.52 Wegen dieses Baus und der damit erfolgten Vollendung einer wichtigen Achsenbeziehung sucht die jüngere Literatur den Vorwurf zu entkräften, Franz Ludwig von Erthal habe die Gärten seines Vorgängers nicht geschätzt und vernachlässigt.53

48 Eine westliche Verlängerung der Hauptachse außerhalb des Gartens zeigt zwar auch schon die Tafel 1 der Stichfolge Salomon Kleiners, der Grundrissplan des Gartens, in Form eines Ansatzes einer breiten Allee, deren Ziel aber nicht mehr abzulesen ist. Die Zufahrt von Bamberg her erfolgte jedoch zu keiner Zeit in direkter Verlängerung des Westtors, sie verlief immer im spitzen Winkel auf dieses zu. Sein „Haupt Prospekt“ (Tafel 2) zeigt diese Allee dagegen nicht. Im Osten zeigt keine der Kleiner’schen Grundrisse und Ansichten eine Ausweitung des Parkes in die Landschaft.

49 Angela Michel: Der Graubündner Baumeister Giovanni Bonalino in Franken und Thüringen. Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte VIII; 10 Neustadt/Aisch 1999, S. 297 - 298.

50 Kämpf, Seehof, (wie Anm. 29), S. 109.

51 Kämpf, Seehof, (wie Anm. 29), S. 240, Q 166. Reskript des Fürstbischofs an Hofkammer vom 8. Juni 1767, StAB B 53 Nr. 348 Prod. 39.

52 Kämpf, Seehof, (wie Anm. 29), S. 250, Q 195. Bericht der Hofkammer in betr. des neu zu verfertigenden Schweizereigebäudes auf dem Seehof, 27.4.1782, StAB B 53, Nr. 377, Prod. 83 1/2.

53 So Hanemann, Fink, (wie Anm. 36), S. 31 „Die Schweizerei in Seehof, […] das in seiner qualitätvollen Ausführung und achsialen Ausrichtung dem oft geäußerten Vorwurf widerspricht, Franz Ludwig hätte Seehof stets vernachlässigt“; oder Wacker, Gartenanlage, (wie Anm. 29), S. 82, „Während Erthal in der Literatur aufgrund der von ihm angeordneten Einlagerung eines Großteils des Skulpturenbestandes meist negativ bewertet wird, muss er m.E. durch den Bau der Schweizerei in gewisser Weise rehabilitiert werden.“ Schon Erthal selbst sah sich ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt, wie es indirekt aus einem Verweis an den Wernecker Hofgärtner wegen Vernachlässigung der Anlagen hervorgeht: „Diese Nachlässigkeit ist mir um so mißfällliger, als Ich – wie es auch die Hofkammer anmerkt und Ich schon öfters zu erkennen gegeben habe – nichts weniger will, als daß meine Hofgärten eingehen sollen, unnöthiges Geld darf zwar in dieselben durch Erweiterungen, entbehrliche Verschönerungen und dergleichen nicht verwendet werden, keineswegs aber soll man es an irgend etwas mangeln lassen, was zur Handhabung und Erhaltung derselben in guten Stande erforderlich ist.“ Vgl. StAWü Admin 10.171, fol. 160 f., zit. nach Schneider, Werneck, (wie Anm. 1), Q 611.

Durchblick durch das Westportal von Schloss Seehof auf die Schweizerei von 1782. Foto: Thomas Gunzelmann 2008

Damit entstand schließlich eine äußerst reizvolle landschaftliche Achse in der Verlängerung der Hauptachse des Gartens mit zwei in ihrer Funktion und ihrer Gestaltung aufeinanderbezogen points de vue. Beide sind auch durch den Schlossbau als doppelte Sichtachse hindurch wahrnehmbar, sie werden sozusagen durch beide Durchfahrtstore eingerahmt, die Schweizerei allerdings erst wieder nach Abbruch des zwischenzeitlich vom Schweizereitor vor die Ostfassade des Schlosses translozierten Stallgebäudes im Jahr 2003. Damit greift Seehof das Motiv einer Sichtachse durch ein Gebäude hindurch auf, das erstmals wohl beim Palast Pius II. in Pienza 1462 zum Tragen kam.54

54 Michael Hesse: Stadtarchitektur. Fallbeispiel von der Antike bis zur Gegenwart. Köln 2003, hier S. 43.

55 Die Schneisen waren eben nicht nur Jagdquartier, wie es Alfred Schelter, Hochfürstliches Jagdschloss, (wie Anm. 29), S. 135, beschreibt.

56 Schelter/Petzet, Schloss und Park (Wie Anm. 29), S. 82.

57 Von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4), Q 135 und 135a.

58 Von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4), Q 139.

59 Von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4), Q 139. Das diese Bemerkung Adam Friedrichs notwendig war, ist wohl als weiterer Hinweis auf die sonstige öffentliche Zugänglichkeit der Anlagen zu verstehen.

60 Karl Heinz Mayer: Wölfe rund um Schloss Seehof und am Geisberg zu Anfang des 18. Jahrhunderts. In: Heimat Bamberger Land 12 (2000),2, S. 45 - 46.

Zum Ende der Seinsheim-Zeit bestanden also eine etwa von Nordwesten nach Südosten verlaufende, im Sinne der Symmetrie noch nicht vollständige Basisachse und fünf einzelne von Südosten nach Südwesten zielende radiale Achsen oder Schneisen, die alle unterschiedlich ausgestaltet waren und unterschiedliche Funktionen zu erfüllen hatten.55 Ihr gemeinsamer Ausgangspunkt ist die Mitte der Kaskadenfront (Südfront) des Schlosses, wo sich im Obergeschoss das Schlafzimmer des Fürstbischofs befand.56 Die radialen Achsen öffnen sich auf 92, nehmen also etwa einen Viertelkreis ein, den Bereich also, der aus einem Flügel einer Vierflügelanlage leicht einsehbar ist. Da die Achsen sukzessive entstanden und nicht von Anfang an in dieser Schlüssigkeit und Symmetrie konzipiert waren, sind sie in sich nicht ganz geometrisch korrekt aufgebaut. Die älteste Achse ist der „große Durchhieb”, der die Blickverbindung mit der Neuen Residenz und dem Dom in Bamberg herzustellen hatte. Mit dem Winkel seiner Abweichung von der Mittelachse gab er den späteren Verlauf seiner Spiegelachse, die wohl der in den Quellen mehrfach genannte „Neue Hieb” ist. Die eigentliche Mittelachse in Verlängerung der Schlossmitte im Süden über die Kaskade und den „Oberen Altsee (Figurenweiher)” hinweg wurde zwar schon unter Friedrich Karl begonnen, aber erst unter Seinsheim zum „Wilden Theater” ausstaffiert. Dazu wurden am Eingang der Schneise Tuffsteinpavillons errichtet, die als Jagdstände dienten.57 Einige dieser Pavillons waren „wie Triumphbögen von Tuffstein” ausgebildet, durch die das Wild wechseln konnte.58 Diese Tuffsteinbögen bildeten den Ausgangspunkt dreier kleiner Querschneisen, die an ihrem waldseitigen Ende verbunden waren und damit ein kleines rechteckiges Rastersystem ausbildeten. Diese Querschneisen beschrieb Adam Friedrich am 4.6.1766 selbst als „Berceau von Fichten” und meinte dazu: „die Allées und Promenades, welche hin wieder in dem Wald angelegt seynd, kommen charmantes heraus, sie seynd aber pur zur Jagdlust bestimmt, folglich darf niemand hinüber gehen, welches villen unangenehm ist.59 In allen drei östlichen Achsen befanden sich Salzlecken, die das Wild anlocken sollten. An der Ausmündung der Waldwege in die beiden östlichen Schneisen befanden sich ebenfalls Jagdzwecken dienende Schirme. Die Wölfe, die vom reichlich vorhandenen Wild angelockt wurden, sollten in Wolfsgruben gefangen werden60, von denen eine wohl als point de vue in das Ende der mittleren Schneise gesetzt wurde.

Die beiden äußeren Achsen sind nun eine Erweiterung der Seinsheim-Zeit. Die westlichste, in der Literatur zu Schloss und Garten bisher nicht diskutierte61, ist die Chausseeachse, die wohl schon 1764 angelegt wurde.62 Entlang des Breitenau-Sees bis zum Stocksee wurde die alleebegleitete Chaussee so in einen Durchhieb gelegt, dass Schloss Seehof auf einer Länge über etwa 1,2 km den point de vue bildete. Diese Blickbeziehung erwähnte Klement Alois Baader 1797: „Nach einer langen Strecke solcher Gärten gelangt man in eine Allee von wilden Kastanienbäumen, erblickt ausser derselben auf beyden Seiten einen Tannenwald, und gerade vor sich das Schloß mit seinen 4 Kuppelthürmen.63

61 Lediglich Thomas Gunzelmann: Der Chausseebau im Hochstift Bamberg im 18. Jahrhundert und seine Relikte. In: Frankenland 58/6, 2006, S. 366 - 376, hier S. 370 verweist darauf.

62 StAB H 2 Nr. 229 fol. 433ff. Verzeichnis der durch das Bamberg. gehenden Chausseemäßig hergestellten Straßen 1775; „2do Von- und an dem Breitenauer See hin continuieret diese ehemals unbrauchbar gewesene Straß, neu angelegt durch den Durchhieb, über eine neu eingebaute Bruck, mit einem 8-schuhigen Bogen, bis an das Seehofer-Wacht-Haus.

63 Klement Alois Baader: Reisen durch verschiedene Gegenden Deutschlands in Briefen von Klement Alois Baader, Konsistorialrathe zu Salzburg, und Kanonikus zu St. Andre in Freysing, 2. Bd., Augsburg 1797, hier S. 312; die Seehof betreffenden Teile nachgedruckt bei Alois Baader: Schloss Seehof - ein Reisebericht von 1797 In: Heimat Bamberger Land 17 (2005), 3/4, S. 101 - 106.

Die 1764 angelegte Chausee von Bamberg nach Seehof hat ab dem Breitenau-See das Schloss als Point de vue.

Diese Achse ist heute als Einzige des gesamten Systems noch auf der Höhe der sogenannten HKW (Hauptkraftpostwerkstätte - Memmelsdorfer Str. 211) am östlichen Ortsende von Bamberg zumindest im Winter wahrnehmbar, auch wenn die heutige Überführung der Memmelsdorfer Straße über die Autobahn die Blickbeziehung verschlechtert hat.

Dass diese Blickbeziehung nicht nur hin zum Schloss, sondern auch vom Schloss aus von Bedeutung war, belegt ein bisher falsch interpretierter Beschluss Adam Friedrichs. 1771 ließ er sich im Breitenau-See zum Zweck der Wasserjagd Inseln anlegen, sie sollten aber so positioniert werden, „indeme auch andurch der prospect von dem Schloß Marquardsburg am wenigsten gehindert wird…64 Die vier daraufhin angelegten Inseln – ebenfalls ein interessanter Aspekt Seinsheim’scher Landschaftsgestaltung, die ja auch Wald tragen sollten, sparen daraufhin die Blickachse genau aus. Die Chausseeachse war also frei auslaufend in die Tallandschaft des Bamberger Beckens und war damit in westlicher Richtung ohne point de vue. Sie besaß allerdings mit der großen, bei Sonnenschein glitzernden Wasserfläche einen besonderen Akzent.

64 StAB, B 52, Nr. 355, prod. 6; zit. nach Kämpf, Seehof, (wie Anm. 29), S. 246, Q 184. Lindemann, Tietz, (wie Anm. 29), S. 235 hält den „Breitenauer Weiher“ für eine andere Bezeichnung für den von ihm so bezeichneten „großen See“, also den „Oberen Altsee“ oder späteren „Figurenweiher“, der die Exedra des Parkes vergrößert auf die Waldseite überträgt. Es handelt sich natürlich um den Breitenau-See, den größten der bischöflichen Weiher im Bereich des heutigen Flugplatzes der Stadt Bamberg, der 1395 erstmals erwähnt wurde, vgl. Alfred Köberlin: Zur historischen Gestaltung des Landschaftsbildes um Bamberg. Bamberg 1893, S. 25 und mit den anderen Weihern nach der Säkularisation schließlich an die Familie von Zandt überging. 1889 verkaufte Walther von Zandt das 182 ha große Areal an die Stadt Bamberg, dieden See trockenlegte und einen Exerzierplatz einrichtete, aus dem schließlich der Flugplatz hervorging; vgl. Hans Müller: Schloss Seehof im 19. und 20. Jahrhundert und die Familie von Zandt. In: Heimat Bamberger Land 17 (2005), 3/4, S. 71 - 96, hier S. 77.

Vom Schloss aus geht der Blick nach Westen zwischen den Inseln des Breitenau-Sees hindurch. Kartengrundlage: Liquidationsplan der Stadt Bamberg, 1849, Mikrofilm StAB

Diese westlichste Achse bedingte nun wiederum die östlichste, den so genannten „Knöckleins-Hieb“65, in dem sich ebenfalls „Schirme“ und eine Salzlecke zu Jagdzwecken befanden.

65 So bezeichnet auf dem Plan des Hauptsmoorwaldes von Müller 1782; StAB A 240, R 77.

66 Schelter, Jagdschloss, (wie Anm. 29), S. 135 stellt eine Beziehung her, meint aber dies wäre etwas zu hoch gegriffen; Wacker, Gartenanlage, (wie Anm. 29), S. 86, spricht direkt von „Jagdstern“.

67 Stephan Hoppe. Was ist Barock? Architektur und Städtebau Europas 1580-1770. Darmstadt 2003, hier S. 133.

68 Zur ikonografischen Bedeutung ohne point de vue auslaufender Achsen ist gibt es wenige Überlegungen. So ist Heike Palm: Alleen und Gärten von der Renaissance bis zum Rokoko. In: Ingo Lehmann und Michael Rohde (Hrsg.). Alleen in Deutschland – Bedeutung, Pflege, Entwicklung. Leipzig 2006, 24 - 29, hier S. 27, eben dieser Auffassung, dass dies die in die Unendlichkeit weisenden Besitzansprüche des Eigentümers versinnbildlichen sollte, Clemens Alexander Wimmer: Alleen – Begriffsbestimmung, Entwicklung, Typen, Baumarten. In: Ingo Lehmann und Michael Rohde (Hrsg.). Alleen in Deutschland – Bedeutung, Pflege, Entwicklung. Leipzig 2006, 14 - 22, hier S. 17, meint, dass die Unendlichkeit ikonografisch wie der Kirchturm als point de vue für Gott stehe.

Es ist sicherlich richtig, diese axiale Anlage im Hauptsmoorwald als Jagdquartier zu bezeichnen. Die Ausgestaltung spricht dafür, Äußerungen Seinsheims legen dies mehrfach nahe. Die beiden Gemälde von Christoph Treu von 1764, die sich heute in der Barockgalerie der Neuen Residenz befinden, zeigen das Quartier sowohl aus der Richtung von Bamberg nach Seehof wie auch umgekehrt mit jagdlichen Motiven. Eine stellt Adam Friedrich von Seinsheim selbst bei der Besichtigung einer erlegten Strecke dar. Sicherlich kann man die Anlage in Beziehung zu den barocken Jagdsternen setzen.66 Dies gilt aber vor allem für die mittlere und die beiden östlichen Achsen. Allerdings ist das Seehofer Achsensystem doch multifunktionaler zu sehen. Der „große Durchhieb“ stellte in erster Linie die optische Verbindung zwischen dem Jagd- und Sommerschloss und der Residenzstadt her. Hier steht das Motiv der absolutistischen geometrischen Durchdringung des Landes im Vordergrund, es geht also um die „symbolische Inbesitznahme der Fläche mittels anschaulicher Mathematik”.67 Gerade die westlichste Achse, die durch den Wald und über den See in die Landschaft führte, mag suggerieren, dass Macht und Besitz des Fürstbischofs bis in die Unendlichkeit reicht.68

Ein neues und nicht direkt mit dem Jagdquartier in Verbindung zu bringendes Motiv ist nun die Einfügung einer Chaussee als innovatives Element der Kulturlandschaft in das repräsentative, aber 1764/65 schon fast althergebrachte System der weit in die Landschaft ausgreifenden Achsen. Dies zeigt, dass Adam Friedrich von Seinsheim zwar noch dem Gedanken der absolutistischen, ausgreifenden geometrischen Raumprägung verpflichtet ist, er aber nun, vor allem nach dem Siebenjährigen Krieg in merkantilistischen Kategorien zu denken und zu handeln beginnt. Danach steht das eigene Territorium immer im Vordergrund, demzufolge ist es auch wirtschaftlich und verkehrsmäßig durch den Landesherrn zu gestalten. Bezeichnend ist es aber für seine Übergangsposition, dass die erste nach modernen, aus Frankreich und südwestdeutschen Ländern transferierten Grundsätzen geplante und gebaute Chaussee ausgerechnet zu seinem Lieblingssommeraufenthalt geführt und in das dortige Achsensystem eingebunden wurde.69

69 Vgl. Gunzelmann, Chausseebau, (wie Anm. 61), S. 369/70.

70 Michael Brix: Der barocke Garten. Magie und Ursprung - André Le Nôtre in Vaux-le-Vicomte. Stuttgart 2004.

71 Leonardo Benevolo: Die Geschichte der Stadt. Frankfurt am Main 5. Aufl. 1990, hier S. 717.

72 Uta Hassler: Die Baupolitik des Kardinals Damian Hugo von Schönborn : Landesplanung und profane Baumaßnahmen in den Jahren 1719 - 1743. Mainz 1985.

73 Hassler, Damian, (wie Anm. 72), S. 263.

Es ist relativ müßig, die Vorbilder für die axiale Landschaft von Seehof in den Hauptsmoorwald hinein und in Richtung der Residenzstadt Bamberg zu suchen. Seit Vaux-le-Vicomte70 und erst recht seit Versailles war es üblich, Parkachsen hinaus in die Landschaft zu verlängern. Leonardo Benevolo hat gezeigt, wie dicht das Netz axialer Bezüge in der Adels- und Herrschaftslandschaft um das Paris der Mitte des 18. Jahrhunderts war.71 Zudem war Seinsheim nicht der Begründer des Seehofer Achsensystems, immerhin aber dessen Vollender. Dennoch scheint es angebracht, zumindest auf eine interessante familiäre Verbindung zu verweisen. Sein Onkel Damian Hugo von Schönborn, Fürstbischof von Speyer, hatte bei der Ausgestaltung seiner Residenz in Bruchsal ebenfalls intensiv mit axialen Bezügen gearbeitet.72 Vielleicht beeindruckt vom Vorbild des benachbarten Karlsruhes, wo 1715 Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach den berühmten 32-strahligen Stern um den Mittelpunkt seines Schlosses anlegen ließ, verlängerte Damian Hugo 1724 die Hauptachse des Bruchsaler Gartens weit in die Rheinebene hinaus. Da er radiale Strukturen nicht umsetzen konnte, ließ er die Hauptachse durch ein rechteckiges Rastersystem ergänzen, das in den Hardtwald hineingeschnitten wurde. Schließlich versuchte er noch, seine Hauptachse mit der von Karlsruhe ausstrahlenden Friedrichsthaler Allee zu verbinden, wovon keinerlei verkehrsmäßiger Nutzen, aber eine hohe Symbolwirkung ausgehen sollte.73 Ein vergleichbares Rechteckraster, zwar wesentlich kleiner, ist eben auch Bestandteil des „Wilden Theaters“ in der in den Hauptsmoorwald hineinführenden Mittelachse.

Johann Josef Christoph Treu (1739-1799): Hirschkampf mit Aussicht auf Schloss Seehof, Öl auf Leinwand, 1764. Bamberg, Neue Residenz, Supraporte in der Barockgalerie (Raum 43). Foto: E. Lantz.

Es gibt aber neben der Nutzung als Jagdquartier, neben der axialen barocken Raumprägung und der Einbindung merkantilistischen Gedankengutes noch einen weiteren Aspekt, der sich aus der zeitgenössischen Rezeption der „neuen Anlag” Seinsheims entwickeln lässt. Dessen Würzburger Hofgärtner Johann Prokop Mayer hatte eine klare Meinung von der gartentheoretischen Position seines Herrn: „Ich arbeite überdies für einen Fürsten, dessen erhabener Geschmack zum grösten Glücke noch keinen Gefallen an neumodischen Wildnissen gefunden hat.74 Diesem Gärtner war völlig klar, dass sich spätestens nach 1770 auch in Deutschland die Auffassung vom Idealbild des Gartens grundlegend gewandelt hatte. Es scheint aber dennoch so, als ob die Anlagen im Hauptsmoorwald von den zeitgenössischen Rezipienten schon im Sinne einer Zuwendung zum englischen Garten gesehen wurden. Schon die beiden Ansichten von Treu, die ja die einzigen zeitgenössischen bildlichen Darstellungen der Anlagen sind, zeigen die Durchhiebe weniger als strenge barocke Achsen denn als aufgelockerte Durchblicke im Sinne des Landschaftsgartens. Auch die schriftlichen Äußerungen der Zeitgenossen gehen in eine ähnliche Richtung, wie es ein Bericht der Zeitschrift „Literatur des katholischen Deutschlands“75 von 1776 anlässlich eines Besuchs von Schloss Seehof beweist: „O schöne Natur! Wie reizend ist dein Bild in diesem Plan voll bezaubernder Aussicht und Anlage, die von der Kunst nichts als den Zuschnitt brauchte, und ihn dennoch erst von dem geschmackvollen Adam Friedrich erhielt! Welch ein verschlingendes Perspectiv in den hohen Fichtenwald hinein, wo Hirsche Heerdenweise weiden! Wie lachend die Fischteiche, diese wohlgerathenen Spiegel des Himmels, wo tausend Wasservögel ihres Lebens froh sich tauchen, schwimmen und flattern! Welche Nahrung für den empfindenden Geist! – Aber die Worte fehlen mir, mein Freund, meine Empfindungen alle auszudrücken, und die ganze Landschaft der Anmuth auszumahlen. Man muß das Original selbst sehen.76 Dies liest sich als Naturhymnus im Sinne Rousseaus und als Beschreibung eines augenscheinlich nur wenig von Menschenhand beeinflussten, sprich vom gedanklichen Leitbild her englischen Gartens.

74 Mayer, Pomona, (wie Anm. 1); zit. nach Stefan Kummer, Johann Prokop Mayer als Theoretiker und Praktiker der Garten(bau)kunst. In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst / 59 (2007), S. 49 – 54, hier S. 52; auf die Tatsache, dass weder Mayer noch Seinsheim den neuen Gartenstil für ihre Gärten für sinnvoll erachteten, hat bereits Marie Luise Gothein: Geschichte der Gartenkunst. Band 2. Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart. Jena 1926, hier S. 237 hingewiesen.

75 Die Zeitschrift wurde im aufklärerisch gesinnten Kloster Banz durch den Konventualen Placidus Sprenger (1735–1806) von 1775 bis 1788 unter wechselnden Namen herausgegeben und im protestantischen Coburg gedruckt; vgl. Günter Dippold: Die gelehrte Zeitschrift des Klosters Banz. In: Renate Baumgärtel-Fleischmann (Hrsg.): Bamberg wird bayerisch. Die Säkularisation des Hochstifts Bamberg. Bamberg 2003, S. 105 - 106.

76 Litteratur des katholischen Deutschlands, zu dessen Ehre und Nutzen, herausgegeben von katholischen Patrioten, 1. Bd., II. Stück, Coburg 1776, hier S. 50

Johann Josef Christoph Treu (1739-1799): Adam Friedrich von Seinsheim im Bamberger Hauptsmoorwald, Öl auf Leinwand, 1764. Bamberg, Neue Residenz, Supraporte in der Barockgalerie (Raum 43). Foto: E.Lantz.

Friedrich Nicolai ist 1783 noch eutlicher in seinem Urteil. Er ordnet den Seehofer Garten einer Zeit zu, in der „die Gartenkunst in Deutschland noch nicht so verbessert war als jetzt.“ Nachdem er sich noch über die „unseligen Erfindungen der ehemaligen französischen Gärtnerey“ ausgelassen hat, findet er in Seehof doch noch etwas, was seiner Auffassung von Gartenkunst entspricht: „Im Garten zu Seehof ist das schönste die Seite, wo drey große vortreffliche Weiher oder Teiche sind, auf welche aus verschiedenen Alleen reizende Aussichten gehen. Jenseits derselben ist ein großer Park von Nadel- und Laubholz, der auf mannigfaltige Art durchschnitten, und mit Hirschen und Rehen besetzt ist.77 Philipp Wilhelm Gercken spricht 1784 in seiner Beschreibung von Seehof sogar unverblümt vom englischen Garten: „Die drey großen Teiche sind ebenfalls gut angelegt, indem aus etlichen Alleen die Aussicht auf sie sehr angenehm ist. Der Englische Park dabey, worin Hirsche und Rehe, giebt eine artige Abwechslung, nur Schade, daß die sehr nahe liegenden Berge nicht besser genuzet, und nicht zum Theil in den Garten mit gezogen sind, wodurch man demselben die natürlichste Schönheit gegeben hätte.78

77 Friedrich Nicolai: Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz im Jahre 1781. Nebst Bemerkungen über Gelehrsamkeit, Industrie, Religion und Sitten. Bd. 1. Berlin / Stettin 1783, S. 118 - 122.

78 Gercken, Reisen, (wie Anm. 12), S. 384 - 385.

79 Mayer, Pomona, (wie Anm. 1), S. LXVIII, zit. nach Lindemann, Tietz, (wie Anm. 29), S. 236.

80 Lindemann, Tietz, (wie Anm. 29), S. 236.

Es scheint, als wäre die konkrete Ausgestaltung der Schneisen der „Neuen Anlag“, vor allem ihre Waldkanten nicht formal streng gewesen, wie es ja auch die Ansichten Treus nahelegen und somit zumindest im Anblick ein Anklang an den englischen Garten denkbar gewesen wäre. Die strenge Axialität war ohnehin in ihrem ganzen Umfang nur vom Schloss aus zu erleben. Für diese Auffassung lässt sich mit Johann Prokop Mayer ein Kronzeuge beibringen. In seiner Gesamtwürdigung der Seehofer Parkanlage in seiner „Pomona Franconica“ schreibt er: „Insbesondere findet man bey den letztern alles, was die Natur großes und maiestätisches in der ganzen Lage, der Gegend, der weiten Aussicht, in mahlerischen Seen und Perspectiven irgend verstehen kann; und obschon die Hände der Kunst alles zur Verschönerung der Natur daselbsten beygetragen haben, so ist dennoch der Entwurf so einfach, die Ausführung so leicht und ungezwungen, daß man die Kunst fast nirgends wahrnimmt.“79 Schon Bernd Wolfgang Lindemann stellte fest, dass für Mayer damit das „gewünschte Equilibrium“ zwischen der alten und der neuen Gartenkunst, zwischen Kunst und Natur erreicht war.80

Das „Natürliche“ hatte also schon seit 1764 in der Form des Ausgreifens in die Landschaft, der Einbeziehung der Teiche und des Waldes und mit in ihrer natürlichen Form belassenen Bäumen bewussten Eingang in Seehof gefunden. Es war noch nicht die „künstliche Natürlichkeit“81 des englischen Gartens; die Grundform war immer noch geometrisch-axial bestimmt, aber dennoch vermochten die Zeitgenossen die „Natur“ und die „Landschaft der Anmuth“ zu erkennen.

81 Ein Begriff, den Géza Hajós im Zusammenhang mit dem englischen Garten verwendet, z.B. Géza Hajós; Bundesdenkmalamt Wien (Hrsg.): Romantische Gärten der Aufklärung: Englische Landschaftskultur des achtzehnten Jahrhunderts in und um Wien. Wien 1989 (Studien zu Denkmalschutz und Denkmalpflege 14), hier S. 41 oder Géza Hajós: Der Berg und der Garten: Mythisches Abbild – Künstliche Natürlichkeit – Promenadennatur. In: Die Eroberung der Landschaft: Semmering, Rax, Schneeberg. Wien 1992, S. 449-460.

82 Dieter Hennebo und Alfred Hoffmann: Der Landschaftsgarten. Geschichte der deutschen Gartenkunst in drei Bänden; Bd. 3. Hamburg 1981, S. 51.

83 Bernhard Hermann Röttger: Landkreis Wunsiedel, München 1954 (= KDB Oberfranken 1), hier S. 52.

84 Marion Dubler und Yvonne Slanz: Denkmalpflegerische Voruntersuchung des historischen Ortskerns des Badeorts Bad Alexandersbad mit seinen kulturlandschaftlichen Verflechtungen. Unveröff. Gutachten. Bamberg 2008.

Vielleicht am ehesten Seehof ergleichbar, sowohl in seinem landschaftlichen Umfeld mit Wald und Teichen, wie hinsichtlich der späten axialen Erschließung und Anbindung der Umgebung sind die Anlagen des ab 1769 errichteten Fasanerieschlösschens bei Moritzburg. Hier legte man noch 1772 acht strahlenförmige Alleen in den Wald und bezog den nahegelegenen „Großteich“ mit ein, in welchen man eine Insel in die von Moritzburg heranziehende Hauptachse legte. Hier ist die „Natur“ schon, trotz der im Grundsatz geometrischen Anlage, nicht mehr nur Hintergrund, sie ist schon in den Garten hineingeholt.82 Auch in Oberfranken gibt es ein fast zeitgleiches Vergleichsbeispiel. Der letzte Ansbacher und in Personalunion Bayreuther Markgraf Alexander ließ 1782/83 durch seinen Hofbauinspektor Johann Gottlieb Riedel ein schlichtes frühklassizistisches Schlösschen in dem später nach ihm benannten Alexandersbad errichten.83 Im Mittelrisalit befindet sich eine Tordurchfahrt, die ebenso wie in Seehof beidseitige Durchblicke auf Achsen mit jeweils einen Point de Vue ermöglicht. Die kürzere Achse führt, von einer ehemals vierreihigen „Allée double“ begleitet, nach Osten zum Brunnenplatz des kleinen Badeortes, während die längere etwa 1,5 km nach Westen stark ansteigend in Richtung Luisenburg zieht. Die untere Hälfte dieser Achse war ebenfalls als „Allée double“ ausgeführt, die obere als einfache Allee. Wo aus topografischen Gründen eine Weiterführung des Weges nicht mehr möglich war, wurde die Achse wenigstens optisch als Durchhau im Fichtenwald bis zu einem Felsen des Blockmeeres der Luisenburg verlängert, auf dem als point de vue eine stattliche Fichte stand.84 Auch mit diesem Motiv steht eher die Einbeziehung des wildromantischen Bergwaldes eher im Vordergrund, als die repräsentative Darstellung der Macht des Markgrafen mithilfe weit ausgreifender Achsen.

Adam Friedrich von Seinsheim als Landesplaner

Voraussetzung für eine entwicklungsorientierte Landesplanung ist die möglichst genaue Kenntnis des jeweiligen Territoriums. Im Franken des 18. Jahrhunderts bedeutete dies zunächst einmal die Herstellung von vermessungstechnisch zuverlässigen Kartengrundlagen. Eine verlässliche Landesaufnahme der beiden Hochstifter Bamberg und Würzburg gab es Mitte des 18. Jahrhunderts nicht. Von daher kam es dem Fürstbischof sehr entgegen, dass der französische Geodät César François Cassini85 auf seiner zweiten Deutschlandreise, die dem Aufbau eines Triangulationsnetzes zwischen Straßburg und Wien diente, auch nach Würzburg und Bamberg kam.86 Die Reise diente sicherlich auch französischen militärischen Interessen, aber etliche süddeutsche Staaten, darunter Bayreuth87 und das Kurfürstentum Bayern88 bemühten sich, den Geodäten in ihr Land zu holen und von seinen Kenntnissen zu profitieren. Am 17. Mai 1762 fand sich Cassini in Seehof ein, wo er den Fürstbischof traf. Der berichtet darüber an seinen Bruder: „M. Cahsini ist seit 2 Tägen in Bamberg; er steiget alle Berg aus und macht eine schöne Arbeit zusammen, wird morgen nach Seehof zur Unterredung kommen.89 Ergebnis dieser Bergbesteigungen unter anderem auf die Altenburg, den Staffelberg, den Zabelstein oder den Schwanberg war ein Triangulationsnetz von Bamberg, Würzburg und Coburg, das Cassini in seinem Reisebericht publizierte.90 Wie im Kurfürstentum Baiern, blieb diese Unternehmung auch in den Hochstiften Bamberg und Würzburg ohne direkte Folgen, da die Aufnahme einerseits zu ungenau war, anderseits auch ohne Verknüpfung mit den regionalen Landmessern durchgeführt wurde. Zumindest im Hochstift Bamberg standen zu dieser Zeit mit dem beiden Hochstiftsfeldmessern Johann Georg Roppelt und Franz Jakob Klietsch fähige Fachleute zur Verfügung, die laufend projektbezogene Karten produzierten. In Würzburg richtete Adam Friedrich 1772 eine „Militärische Ingenieur-Akademie“ ein, in der Geographie, Geometrie und zahlreiche Teilgebiete der Vermessungskunde unterrichtet wurden.91

85 César François Cassini (* 17. Juni 1714 in Thury; † 4. September 1784 in Paris; auch Cassini III. genannt) hatte in die erste komplette Landesaufnahme Frankreichs durchgeführt, die in 18 Blättern im Maßstab 1:870.000 1746/47 im Druck erschienen war. Danach begann er im Auftrag Ludwig XV. ein Projekt mit dem zehnfach größeren Maßstab 1:86400, dessen Finanzierung der französische Staat jedoch 1756 einstellte, worauf Cassini dies im Auftrag einer privaten Gesellschaft weiterführte. Sein Sohn Jean-Dominique konnte das Projekt schließlich 1793 abschließen; Vgl. Alfred Höhn: Cassini de Thurys Dreiecksmessungen von Würzburg nach Coburg und die Landesaufnahmen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. In: Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 32 (1987), S. 1 - 42.

86 Hans Vollet: Weltbild und Kartographie im Hochstift Bamberg (= Die Plassenburg 47). Kulmbach 1988, hier S. 221.

87 Auf seiner ersten Deutschlandreise 1761 besuchte Cassini auf der Rückreise von Wien Bayreuth, wo er ein Dreiecksnetz legte; vgl. Hans Vollet, Abriß der Kartographie des Fürstentums Kulmbach-Bayreuth. (= Die Plassenburg 38) Kulmbach 1977, S. 98 - 106.

88 Daniel Schlögl: Der planvolle Staat: Raumerfassung und Reformen in Bayern 1750 - 1800. München 2002, hier S. 99 - 107.

89 Von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4), Q 86, S. 222. Burkard von Roda, S. 98 und Fußnote 521 hält Cassini (bei ihm nach der Quelle Cahsini) irrtümlicherweise für einen speyerischen Wassersachverständigen, der sich wegen der Projektierung der Wasserleitung in den Jurabergen im Mai 1762 bei Seinsheim aufgehalten hätte.

90 César François Cassini: Relation des deux voyages faites en Allemagne. Paris 1763, ders.: Relation d’un voyage en Allemagne. Paris 1772. Dieses Werk enthält die Triangulation von Franken. Abgedruckt bei Höhn, Cassini, (wie Anm. 85), S. 10.

91 Höhn, Cassini, (wie Anm. 85), S. 16.

Triangulation durch den französischen Geodäten César François Cassini in den Hochstiftern Bamberg und Würzburg 1762 mit der Nennung von Seehof.

Zu einer eigenständigen staatlichen Landesaufnahme kam es während der Seinsheim-Zeit jedoch nicht mehr, sodass noch die Chausseeplanung der 1770er Jahre auf der Grundlage von Karten des Nürnberger Kartenverlages Johann Baptist Homann vom Anfang des 18. Jahrhunderts durchgeführt wurde.92 Erst unter seinem Nachfolger Franz Ludwig von Erthal entstanden vollständige Landesaufnahmen: die „Fackenhofen-Karte“93 des Hochstifts Würzburg 1792 und die „Roppelt-Karte“94 des Hochstifts Bamberg 1793, wobei Letztere eine Privatinitiative des Verfassers war. Planung und Ausbau dieses geradezu revolutionären Kunststraßennetzes sollten aber dennoch neben der Gestaltung seiner Gärten zur wesentlichen und bleibenden Leistung Adam Friedrichs werden.

92 Hans-Peter Schäfer: Die Entwicklung des Straßennetzes im Raum Schweinfurt bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Mainfränkische Studien Band 13. Würzburg 1976, S. 261/62.

93 Hanns Hubert Hofmann: Die Würzburger Hochstiftskarte des Oberleutnants von Fackenhofen (1791). Minfränkische Hefte 24. Würzburg 1956; Herbert Schott: Die Entstehung der sog. Fackenhofen-Karte des Hochstifts Würzburg. In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 58 (2006), S. 129 - 148.

94 Vgl. Vollet, Hochstift Bamberg, (wie Anm. 86), S. 204 - 212.

95 Schäfer, Straßennetz, (wie Anm. 92), S. 229.

96 Schäfer, Straßennetz, (wie Anm. 92), S. 234.

97 Vgl. Schäfer, Straßennetz, (wie Anm. 92), S. 238

98 D. Johann Georg Krünitz: Oekonomisch-technologische Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirtschaft u. Kunstgeschichte in alphab. Ordnung: Band 62 und 63. Berlin 1794, hier 62, 405. Das Stichwort „Landstraße und Chaussee“ umfasst immerhin 402 Seiten.

Schon seit den späten 1740er Jahren hatte man sich im Hochstift Würzburg über die Einführung des Chausseebaus Gedanken gemacht.95 Die ersten Ausbauten, wie die Chaussierung der Strecke Kitzingen - Markt Bibart, im Zuge der Gesamtstrecke Frankfurt - Nürnberg, sind noch als ein Herantasten an den Chausseebau zu sehen. Der Siebenjährige Krieg brachte allerdings auch diese Bemühungen zum Erliegen.96 Umso besser zu Pass kam Adam Friedrich von Seinsheim, der als früherer Würzburger Hofkammerpräsident schon die ersten Versuche des Chausseebaus begleitet, wenn nicht geleitet hatte, ein kaiserlicher Erlass anlässlich des Frankfurter Wahlkonvents von 1764, nach welchem „die verfallenen Heer- und Commercialstraßen“ instand zu setzen seien.97 Damit war noch nicht direkt ein Neubau von Chausseen angesprochen, aber da Seinsheim als Würzburger und Bamberger Fürstbischof und als letzterer auch gleichzeitig die Funktion als Direktor des fränkischen Reichskreises innehatte, konnte er für sein vergleichsweise großes Gebiet eine einigermaßen konsequente Straßenbaupolitik verfolgen, was schließlich Krünitz um 1790 zu dem Urteil veranlasste, nach welchem „die würzburgischen Chausseen gar nicht zu tadeln“ seien.98

Profil und Aufriss der Chaussee nach Schloss Seehof. Johann Michael Heyberger 1765. Quelle StAB H2 Nr. 228 f 65.

Den kaiserlichen Erlass setzte Adam Friedrich von Seinsheim sogleich im Jahr 1765 in eine Bamberger Chausseebauverordnung um.99 Mit dieser Verordnung wurde ein entscheidender Schritt zum modernen Straßenbau unternommen, da hier der Staat in Gestalt des nunmehr merkantilistisch orientierten Hochstifts Bamberg die Finanzierung des überörtlichen Straßenbaues übernahm. Wichtig für den erfolgreichen Aufbau eines Chausseenetzes war nicht nur die Kenntnis der neuen Straßenbautechniken und deren Anwendung. Fast noch bedeutsamer war die Übernahme der Verantwortung für Planung und Finanzierung durch den Staat. Die Baulast und der Unterhalt hatte auch für die überörtlichen Straßen bis dahin bei den Gemeinden und den zum Frondienst verpflichteten Untertanen gelegen. Nun aber sollte diese Last in „Anbetracht, dass der aus der Land-Strassen-Reparatur erwachsende grosse Vortheil allgemein seye, und jedermänniglichen in seiner Maaße zuguten komme, allen Landes-gehuldigten Unterthanen zu gleichen Schulderen zugebürdet100 werden. Daher wurden alle landesherrlichen Wegzolleinnahmen für die Verwendung zum Chausseebau bestimmt, darüber hinaus auch noch fünf Neuntel des Extra-Umgeldes, also einer Biersteuer. Dieses Konzept war erstmals bei der Erbauung der Seesbrücke in Bamberg 1753 angewandt worden, zunächst als Sondersteuer geplant, dann aber für den Straßen- und Wasserbau beibehalten.101 Damit wurde erstmals zur Finanzierung von infrastrukturellen Maßnahmen eine Art Umsatzsteuer verwendet, die alle Staatsbürger nach ihrem Bierkonsum traf. Damit rückte man gleichzeitig von der ungerechten Belastung der Anlieger der Straßen ab.

99 StAB H 2 Nr. 228 fol. 63 Einleitung zur Bamberger Verordnung zum Chausseebau.

100 StAB H 2 Nr. 228.

101 Metzner, Joseph: Die Biersteuer zur Erbauung der Seesbrücke in Bamberg. In: HBL 6 (1994), S. 62.

102 StAB H 2 Nr. 228.

Die 1764/65 erbaute Chaussee von Bamberg nach Seehof ist nicht durchgängig nach den Idealvorstellungen des aus Frankreich übernommen neuen Kunststraßenwesens ausgeführt. Der Extraditionsplan aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigt deutlich, dass keineswegs der gesamte Abschnitt neu trassiert wurde. Sowohl durch die Gärtnerfelder Bambergs, als auch zwischen dem heutigen Ort Lichteneiche und Memmelsdorf wurde die Trasse der Altstraße verwendet, wohl einerseits zur Vermeidung schwieriger Grundstücksgeschäfte, andererseits, weil der Stocksee eine geradlinige Weiterführung verhinderte. Im technischen Aufbau erfüllte sie allerdings sehr wohl die Anforderungen an eine Kunststraße, wie ein Profil mit Draufsicht des Bamberger Straßenbauingenieurs Wilhelm Johann Heybergers zeigt.102

Diese Entscheidung, zuerst die Straßenanbindung zu seinem Lieblingssommeraufenthalt zu verbessern, ist sicherlich auch auf den von häufigen Ortswechseln geprägten Lebenswandel Seinsheims zurückzuführen.103 Damit stand er jedoch keineswegs allein und in einer schon älteren Tradition. Relativ neu war lediglich die Ausführung als Chaussee, doch schon seit dem späten 17. Jahrhundert versuchte man, Sommerschlösser über Alleen an die Residenzstädte anzubinden.104

103 „Angesichts dieses durch Beweglichkeit und Reisen bestimmten Jahresablaufs geschieht die Verbesserung der Straßenverhältnisse, die Aufwertung der Kommerzialstraßen und Landstraßen zu befestigten Chausseen unter Seinsheims Regierung nicht nur zur Förderung des Handels, sondern auch zum persönlichen Nutzen des Landesherrn.” Vgl. von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4), S. 85.

104 Martin Baumann: Alleen, klassische Gestaltungselemente in Städten, Parks und Kulturlandschaften. In: Christian Antz und Christa Ringkamp (Hrsg.): 1. Gartenträume-Symposium Wernigerode. Gartendenkmale. Ausgrenzung - Akzeptanz - Integration. Nachdenken über Gartenträume. Arbeitsheft zu Historischen Parks in Sachsen-Anhalt 2. Magdeburg 2003, S. 99 - 121.

105 Vgl. Carl W. Amberger: Das oberfränkische Staatsstraßennetz, seine geschichtliche Entwicklung, sein Zustand und die Maßnahmen zu seiner Verbesserung und Vervollständigung. Diss. Würzburg 1931, hier S. 46. Erst 1786 wurde sie unter Markgraf Christian Friedrich Carl Alexander als Chaussee nach St. Georgen weiter geführt.

Im heutigen Oberfranken hatte schon 1718 der Bayreuther Markgraf Georg Wilhelm auf einer Länge von 4 km den „Königsweg“ oder „Königsallee“ in Richtung seiner Eremitage angelegt, wobei dies noch keine Kunststraße im späteren Sinne war, da sie über keinen Grundbau verfügte, lediglich die Decke bestand aus Muschelkalksplit.105

In diesem Sinne wurde die Verbindung zwischen den Residenzstädten Ludwigsburg und Stuttgart wurde bereits ab 1739 als erste württembergische Straße zu einer Chaussee ausgebaut.106 Hier entstand auch 1766 das extremste Beispiel einer solchen Anbindung einer Residenzstadt an ein Sommerschloss, die über 14 km lange Solitude-Allee von Ludwigsburg zur Solitude, deren Trasse heute noch weitgehend erhalten ist.107 Auch der Ansbacher und spätere Bayreuther Markgraf Alexander führte die Chaussee von Ansbach über Hohe Fichte nach Triesdorf in den Jahren 1767 - 69 in einer 5 km langen, schnurgeraden Linie auf sein Sommerschloss zu.

106 Vgl. Lothar Würtz: Die geschichtliche Entwicklung des Straßennetzes in Baden-Württtemberg. Forschungsgesellschaft für das Strassenwesen (Hrsg.): Archiv für die Geschichte des Straßenwesens Heft 1. Bonn - Bad Godesberg 1970, S. 48.

107 Volkmar Eidloth: Grünbestimmte Freiräume in historischen Altstädten. In: Die Gartenkunst 12,1 (2000), S. 81-99, hier S. 92.

Im Falle Seinsheims und der Seehofer Chaussee blieb es keineswegs bei dieser höfisch-repräsentativen, wenn auch im Vergleich mit den Bemühungen anderer Herrschaften bescheidenen axialen Chaussee. Sie war von vorneherein lediglich als Teilstück der Chaussee von Bamberg nach Kulmbach und Bayreuth vorgesehen, weswegen der Weiterbau in diese Richtung zeitlich nahtlos und unter merkantilistischen Gesichtspunkten fortgeführt wurde. Dabei sollte die Straße so lange wie möglich im eigenen Territorium gehalten werden. Damit sollten jedoch nicht etwa die Transportmöglichkeiten für die eigenen Handelsprodukte verbessert werden. Die beiden Hochstifte waren fast reine Agrarstaaten, die lediglich Wein und bisweilen Getreide in vergleichsweise geringen Mengen ausführten. Lediglich der Holzhandel aus dem Bambergischen war eine Ausnahme, er war jedoch fundamental auf die Wasserstraße des Maines bezogen. Es ging vielmehr darum, den überregionalen Handelsverkehr vor allem nach und von den Messeorten Frankfurt, Leipzig und Nürnberg möglichst lange über eigenes Gebiet zu führen und dabei mehr von den Mautabgaben als von den eigentlichen Handelsgütern zu profitieren.

Chausseebau im Hochstift Bamberg bis 1800. Blaue Trassen in der Regierungszeit Seinsheims hergestellt. Zeichnung: Th. Gunzelmann.

Im Hochstift Bamberg waren 10 Jahre nach Beginn des Kunststraßenbaus, 1775, bereits 9310 Ruthen, somit etwa 34 km, chausseemäßig hergestellt.108 Am weitesten fortgeschritten war zu dieser Zeit die Chaussee nach Kronach,109 die mit Ausnahme einiger kleinerer Lücken und der reichsritterschaftlichen Gebiete um Redwitz und Küps bereits fertiggestellt war. Unter merkantilistischen Gesichtspunkten war dies auch die wichtigste Route für das Hochstift Bamberg, denn so konnte der wichtige Verkehr zwischen Nürnberg und Leipzig möglichst lange durch Bamberger Gebiet geführt und die konkurrierenden Trassen über Coburg oder Bayreuth und Hof geschädigt werden.

108 StAB H2 Nr. 229 fol. 443v. 1 Ruthe hat 12 Schuh, der Nürnberger Schuh zu 0,304 Meter.

109 An besonders aufwendig gestalteten Stellen ließ Adam Friedrich von Seinsheim Wappensteine anbringen, so an der Böschungsmauer an der Engstelle zwischen Haßlach/Rodach und dem Hang des Haßlacher Berges. Dieses Wappen verschwand beim Bau der Kronacher Südbrücke 1940, wurde aber 1967 im Straßengraben aufgefunden und in den Zeughaushof der Festung Rosenberg verbracht; vgl. Georg Fehn: Chronik von Kronach. Band IV. Kronach 1969, hier S. 299.

110 Nicolai, Reise, (wie Anm. 77), S. 117.

Aus der Beschreibung der einzelnen Abschnitte dieser Chaussee lässt sich auch das Konzept der Chausseeplanung ablesen. Man chaussierte zunächst dort, wo es unumgänglich war. Wo die vorherige Altstraße noch einigermaßen tauglich war, ließ man diese noch bestehen. Somit konnte man schneller als bei einer völligen Neutrassierung eine durchgehend befahrbare Strecke erhalten. Das Ergebnis dieser Straßenbaupolitik wurde von den Zeitgenossen durchaus gewürdigt, so auch von dem sonst den geistlichen Fürstentümern gegenüber sehr kritisch eingestellte Aufklärer Friedrich Nicolai. Er wusste über seine Reise von Kloster Banz über Schloss Seehof nach Bamberg im Jahr 1781 zu berichten: „Wir kamen bald auf vortreffliche Chausseen, welche vor einigen Jahren statt der sonst ganz abscheulichen Wege gemacht worden sind. Die Chausseen, wenn sie gleich zuweilen den Anhöhen nach abhängig liefen, waren vollkommen eben ohne Geleise; und es war, wie gewöhnlich, alle 30 schritt ein Häufchen kleiner Steine gelegt, um das geringste entstandene Geleise oder Loch sofort wieder ausfüllen zu können. Bey Stellen an Abgründen waren Geländer von Sandsteinen.110

Nur wenige Abschnitte dieser Chausseen entsprachen jedoch den klassischen Grundsätzen französischer Kunststraßenplanung. Danach sollten die Trassen so gerade wie möglich angelegt werden, ohne wesentliche Rücksicht auf Besitzverhältnisse oder topografische Gegebenheiten. Krümmungen sollten möglichst nicht im Tal erfolgen, wo sie leicht als solche erkenntlich waren, sondern auf einer Bergkuppe, damit dem Wanderer der Straßenverlauf als gerade Linie erschien. Ein weiteres Merkmal der Linienführung der Chaussee war die Ausrichtung auf einen in der Ferne liegenden Point de Vue, häufig der Kirchturm des nächsten Dorfes. Dieser wurde dann von den Alleebäumen als Blickbezug eingerahmt.111

111 Lehrbuchartig zusammengefasst wurden die Grundsätze des Chausseebaus bei Christian Friedrich Lüder: Vollständiger Inbegriff aller bey dem Strassenbau vorkommenden Weeg-Geschichte und einem Verzeichnis der unentbehrlichen Weeg-Gesetze. Frankfurt a. M. 1779.

Sowohl im Norden wie im Süden ist die Chaussee Würzburg Meiningen auf Schloss Werneck ausgerichtet. Kartengrundlage: Positionsblatt Mitte 19. Jahrhundert. © Bayerische Vermessungsverwaltung

Von den zahlreichen unter Adam Friedrich von Seinsheim geplanten und begonnenen Chausseen sollte nur eine diese Grundsätze weitgehend erfüllen: die von Würzburg nach Meiningen ab 1774.112 Zuvor bemühte sich das Hochstift Würzburg darum, die für sein Gebiet bedeutendste Verkehrslinie zwischen Frankfurt über Würzburg nach Nürnberg auszubauen, sah sich dabei aber konkurrierenden Unternehmungen von Kurmainz und Brandenburg-Ansbach ausgesetzt.113 Dies führte so weit, dass Adam Friedrich von Seinsheim als Direktor des fränkischen Kreises und als Hauptmotor des Chausseebaus 1774 fast resigniert feststellen musste, dass „ein jeder Stand nur nach seiner Phantasie bald gegen Orient, bald gegen Norden und so fort links und rechts bauend, die Hauptstraßen aber in ihrem Zug von und zu den Haupthandelsstätten mit interroupierten Pläzen ganz liegen lassen will.”114 Dies hinderte ihn jedoch nicht, schon 1773 mit der Chaussee Würzburg - Meiningen einen Chausseebau nach Sachsen zu genehmigen, der auf die Aufnahme eines wesentlichen Teils des deutschen Nord-Süd-Verkehrs abzielte und der die Reichstadt Schweinfurt im wahrsten Sinne des Wortes links liegen ließ. Dagegen bezog man das fürstbischöfliche Sommerschloss Werneck in die Trassenplanung ein, eine deutliche Parallele zum ersten Bamberger Chausseebau nach Schloss Seehof. Diese Chaussee wurde weitgehend auf neuer Trasse angelegt, nur selten greift sie den Verlauf vorhandener Wegeverbindungen auf. Besonders um Werneck versucht sie axiale Bezüge herzustellen. Die gedachte Basislinie bildet dabei die Verbindung zwischen den beiden Kirchtürmen von Eßleben südlich und Schnackenwerth nördlich von Werneck, die beinahe den Mittelpavillon des Schlosses schneidet. Um tatsächlich die Mitte zu treffen, muss die Chaussee von Süden her um 2aus dieser Achse abweichen.115 Die Chaussee wurde dabei so in die Landschaft – weitgehend ohne Rücksicht auf topografische Gegebenheiten – gelegt, dass in beide Richtungen ein Point de vue vorhanden war. Von Würzburg aus war dies erstmals vor Bergtheim der Fall, auf dessen spitzen Kirchturm die Chaussee schon ab dem Ortsende von Unterpleichfeld auf eine Länge von 3,4 km ausgerichtet wurde.

112 Hierzu die fundierte und heute noch nicht übertroffene Untersuchung von Schäfer, Straßennetz, (wie Anm. 92), S. 256 - 289.

113 Schäfer, Straßennetz, (wie Anm. 92), S. 247.

114 StAWü, Fränkische Kreisakten 380, Gesandtschaftsanweisung Adam Friedrichs von Seinsheim, 30.7.1774; zit. nach Schäfer, Straßennetz, (wie Anm. 92), S. 249.

115 Schäfer, Straßennetz, (wie Anm. 92), S. 272 hielt diese Linie für eine Gerade, tatsächlich weicht sie aber minimal ab. Wenn es wirklich eine echte Gerade sein sollte, hätte dies Balthasar Neumann bereits bei der Errichtung des Schlosses einplanen müssen.

Südlich von Bergtheim ist die Chaussee schon ab dem Ortsende von Unterpleichfeld auf eine Länge von 3,4 km auf dessen spitzen Kirchturm ausgerichtet. Foto: Winfried Gunzelmann.

Auch nördlich von Werneck wurden noch zu Lebzeiten Seinsheims zwei Chausseeabschnitte mit Blickpunkten in jeweils beide Richtungen ausgebaut. Diese waren die Abschnitte zwischen Schnackenwerth und Geldersheim und wiederum von Letzteren zum weiter nördlich gelegenen Kronungen, wo jeweils der Kirchturm den Blickpunkt bildete. Trotz des Neubaus von Umgehungsstraßen, Autobahnauffahrt und der Autobahn selbst sind alle diese axialen Bezüge im Verlauf der Trasse der B 19 heute noch ablesbar, lediglich der Abschnitt zwischen Geldersheim und Kronungen ist mit Ausnahme eines geringen Restes verschwunden.

Nicht nur der Verkehr auf der Straße, auch der auf dem Wasser lag Adam Friedrich am Herzen. Die Schifffahrt auf dem Main war jedoch durch Mühlwehre erschwert und durch zahlreiche Zollstellen belastet. Die Mainanliegerstaaten versuchten, durch konkurrierende Hafenorte sich den geringen Handel gegenseitig streitig zu machen. 1764 kam es schließlich zu einem Vertragsschluss über die Teilung des Mainhandels zwischen Würzburg und Mainz, dem auch Bamberg beitrat.116 Daraufhin versuchte Seinsheim, Würzburg als Hafen- und Handelsstadt zu fördern. Wichtigste Maßnahme hierzu war ab 1767 die Errichtung des Würzburger Kranens mit dem „Niederlagshaus”, der erste nachgewiesene eigenständige Bau Franz Ignaz Michael Neumanns.117

116 Ssymank, Seinsheim, (wie Anm. 2), S. 96.

117 Peter van Treeck: Franz Ignaz Michael von Neumann. Mainfränkische Studien Bd. 6. Würzburg 1973, hier S. 186

118 Van Treeck, Neumann, (wie Anm. 117), S. 188.

Die Kranenanlage über zwei Ebenen und zwei Kräne die Lade- und Lagerzone geschickt miteinander, zudem musste sie noch in die Stadtbefestigung und in Verkehrsführung integriert werden. Die geschickte Lösung dieser Aufgabe, die zudem mit reiner Muskelkraft auskommen musste, stellt einen wichtigen Ausgangspunkt in der weiteren Tätigkeit des jüngeren Neumann dar, dessen Schwerpunkt der Ingenieurbau bleiben sollte.118

Der Rundbau des Kranens ist aber nicht nur Funktionsbau und ingenieurtechnische Leistung, er dient auch als Point de Vue in der Achse der Juliuspromenade.119 Insofern ist er prototypisch für die Seinsheim-Zeit, deren wesentliche Leistung in Verkehrs- und Funktionsbauten, aber auch in der städtebaulichen und landschaftlichen Einbindung ihrer – und viel häufiger – älterer Bauten liegt.

119 Jörg Lusin: Die städtebauliche Entwicklung 1525 - 1814. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. Stuttgart 2004, S. 264 - 290.

120 Ssymank, Seinsheim, (wie Anm. 2), S. 99.

Wirtschaftlich erfolgreich war die Einrichtung dennoch nicht. Der Kranenmeister berichtete schon 1775, dass die Ausgaben bei Weitem die Einnahmen überschritten, da der Verkehr nicht besonders groß sei.120

In städtebaulicher Hinsicht hinterließ Adam Friedrich von Seinsheim ebenfalls charakteristische Spuren. Auch hier sind es weniger Bauten, sondern städtebauliche Eingriffe, Korrekturen oder Ergänzungen, die auf seine Initiative hin in Angriff genommen wurden. Bezeichnenderweise ließ er sich auch hier vom Gedanken der Verbesserung der Verkehrsführung und der Schaffung offener Räume leiten. So übersandte der Fürstbischof am 21. Juli 1776 einen Plan zur Abtragung und Planierung des Domberges sowie „zur chausseemäßigen und verbesserlichen Einrichtung der von der Hofapotheke an bis zur fürstlichen Residenz ziehenden Straße“ in Bamberg.121 „Rahmen und Programm“ der Bamberger Domplatzgestaltung bestimmte Seinsheim.122 Bis in die 1770er Jahre konnte die Bamberger Neue Residenz nicht ihre volle städtebauliche Wirkung entfalten, denn vor dem südöstlichen Vierzehnheiligenpavillon stand immer noch der „Cameralhof“, in dieser Zeit „Schönborn’scher“ Domherrnhof genannt, der erst abgebrochen werden konnte, als sein letzter Bewohner, der Dompropst Marquard Wilhelm von Schönborn starb. Dies nutzte Adam Friedrich schließlich, um den Domplatz in seinem Sinne zu regulieren und andere aus seiner Sicht nicht mehr benötigte Gebäude abzubrechen, darunter die romanische Andreaskapelle, die zu „mehrer Zierd und nützlicher Erweiterung der Burgstraß und Beibringung mehreren Lichts und Hellung in die hohe Domstiftskirche eingelegt…“ wurde.123 Ein weiteres vom Bischof selbst formuliertes Ziel der durch Franz Ignaz Michael Neumann geplanten „Applanierung“ des Residenzplatzes war, „gemächlich gehen und fahren zu können.124 Dies schloss die Anpassung der Karolinenstraße mit ein, die laut einem Eintrag auf einer Plankopie von Lorenz Fink „en forme de chaussee“ eingerichtet werden sollte.125 Planer war auch hier der jüngere Neumann, der zwei Alternativen vorschlug, unter welchen die gleichförmigere, jedoch mit größerem Aufwand verbundene ausgewählt wurde.126 1778/9 wurde dann auch die Überquerung der Oberen Brücke erleichtert und chausseemäßig angepasst.127

121 Franz Conrad Frhr. von Schrottenberg: Der Domberg in seiner neueren Gestaltung mit der neuen Lochey-Gasse. Ein Beitrag zur Baugeschichte des Domberges. In: BHVB 49 (1887), S. 93-124, hier S. 106.

122 Van Treeck, Neumann, (wie Anm. 117), S. 193.

123 Schrottenberg, Domberg, (wie Anm. 121), S. 108.

124 Von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4), Q 183, S. 242/43

125 Hanemann, Fink, (wie Anm. 36), S. 132 und Abb. 65.

126 Tilmann Breuer und Reinhard Gutbier: Stadt Bamberg. Bürgerliche Bergstadt. 2 Halbbde., München 1997 (= KDB Oberfranken 8,6), hier S. 895.

127 Breuer/Gutbier, Bürgerliche Bergstadt, (wie Anm. 126), S. 35.

Städtebauliche Maßnahmen in der Regierungszeit Seinsheims in Bamberg. GIS-Bearbeitung Armin Röhrer.

Die Abtragung des Dombergs fand ein dem Zeitalter der Aufklärung und der Rationalität entsprechendes würdiges Pendant. Schon 1764 war durch den Wilhelm Johann Heyberger auf der „Schanz“, die den Stadtgraben der nordöstlichen Inselstadt vom immer wieder herandrängenden „Schwarzen Wasser“, einen Seitenarm der Regnitz trennte, eine Allee angelegt worden.128 Nun nutzte man die Schuttmassen, die bei den Gebäudeabbrüchen und der Planierung des Domberges angefallen waren, um den Stadtgraben in diesem Bereich vollends zu verfüllen und eine Promenade anzulegen. So entstand eine breite Fläche mit einer vier- bis fünfreihigen Allee, wo sich die Bürgerschaft ein Stelldichein geben konnte. Ausgeführt wurde die Maßnahme zwischen 1776 und 1778 durch Hofwerkmeister Lorenz Fink, unterstützt durch den baukundigen Hoftrompeter Steurer.129 Die Bamberger Promenade macht in der schrittweisen Entwicklung130 von Wallspaziergängen über teilweise Entfestigungen bis hin zu ganzen Ringparkanlagen die beiden frühen Entwicklungsstufen mit. Dabei ist die Bamberger Anlage jedoch nicht so früh, wie bisweilen dargestellt.131 Schon 1720 hatte Balthasar Neumann für Würzburg Alleen vor der funktionslos gewordenen inneren Stadtbefestigung, aber auch schon auf den bastionären Wallanlagen vorgeschlagen132, die dort aber erst ein knappes Jahrhundert später zur Ausführung kamen.133 In einer kleinen Stadt wie dem hohenlohischen Ellwangen wurde ebenfalls schon 1738 vorgeschlagen „um die ganze Stadt herum spaziergänge oder alleen“ anlegen, was dort in Teilbereichen, auch unter der Einebnung des Stadtgrabens immerhin in den 1750er Jahren umgesetzt wurde. Große Städte wie Leipzig, Bremen oder Lübeck besaßen solche Alleen als Promenaden schon seit der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts.134

128 Breuer, Tilmann und Reinhard Gutbier: Stadt Bamberg. Innere Inselstadt. 2 Halbbde., München 1990 (= KDB Oberfranken 8,7), hier S. 226/227.

129 Breuer/Gutbier, Innere Inselstadt, (wie Anm. 128), S. 1109.

130 Hierzu Eidloth, Freiräume, (wie Anm. 107) S. 81-99.

131 Vgl. Breuer/Gutbier, Innere Inselstadt, (wie Anm. 128), S. 1109

132 Vgl. seine Denkschrift zur städtebaulichen Entwicklung Würzburgs, abgedruckt bei Max H. v Freeden: Balthasar Neumann als Stadtbaumeister. Berlin 1937, S. 109

133 Christine Bartholomäus: Die Ringparkanlagen. In: Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns. (Hrsg.): Gärten und Grünanlagen in Würzburg. Ihre Entwicklung und Bedeutung. - Ausstellungskatalog der Staatlichen Archive Bayerns Nr. 26. München 1990, S. 211 - 249

134 Eidloth, Freiräume, (wie Anm. 107), S. 86. Zur Leipziger Promenade vgl. Detlef Karg: Alleen in ihrer Bedeutung für die Denkmalpflege. In: Ingo Lehmann und Michael Rohde (Hrsg.): Alleen in Deutschland – Bedeutung, Pflege, Entwicklung. Leipzig 2006, 52 - 57, hier S. 54.

Situationsplan der Promenade und Umgebung in Bamberg vor 1810. Quelle: StadtA Bamberg A 22 A IV Nr. 51.

Ebenfalls im Zusammenhang mit der beginnenden Entfestigung steht die Translozierung des erst 1697 durch Petrini errichteten repräsentativen Riegeltores nach St. Gangolf im Jahr 1774, das der Errichtung der neuen Hauptwache im Wege stand, die nun schon den alten Stadtgraben überbaut und als Gelenkbau den Eingang in die Inselstadt markiert, aber auch den Weg zur neuen Promenade vermittelte.135

135 Vgl. Breuer/Gutbier, Innere Inselstadt, (wie Anm. 128), S. 229 - 301.

136 Breuer/Gutbier: Bürgerliche Bergstadt, (wie Anm. 126), S. 1552.

137 Wilhelm Biebinger: Der Bamberger Stadtmaurermeister Martin Mayer und der neue Ebracher Hof. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte des Unteren Kaulbergs. In: BHVB 97 (1959/60), S. 125 -152, hier S. 150.

138 Johann Looshorn: Die Geschichte des Bisthums Bamberg. 7 Bde., München 1886-1910, Nachdruck Neustadt a. d. Aisch 1980-1981, hier Band 7, 1/2, S. 269.

Schon vor Seinsheims Regierungszeit, noch unter Fürstbischof von Frankenstein, war evident geworden, dass der Untere Kaulberg als Teil einer Fernverkehrsstraße zu eng war.136 Johann Jakob Michael Küchel legte daher schon 1756 einen Riss zur Vereiterung der Straße vor, der jedoch nicht umgesetzt wurde. Erst 1767 kam es schließlich zur vorgesehenen Straßenverbreiterung, ebenfalls nach einem Plan von Küchel, wobei der schon begonnene neue „Ebracher Hof“ wieder abgebrochen werden musste.137 Die Kosten übernahm die Staatskasse, wodurch das Interesse Adam Friedrichs belegt ist. Für diese und andere Maßnahmen wurden die Erlöse aus dem „Bierpfennig“ herangezogen.138

1765 stellten Bamberger Bürger beim Fürstbischof den Antrag den Durchgang „Unter dem Schwibbogen” zwischen der „Au“ (heute Austraße) und der „Greten“ (heute Am Kranen) zu verbreitern, mit der Begründung, „die zu enge Passage zur Zierde der Statt und Commodität deren Fahrenden“ zu erweitern.139 Mit dieser Begründung trafen sie genau den Nerv des Fürstbischofs, der die Maßnahme nicht nur genehmigte, sondern auch die Kosten durch die Staatskasse zu übernehmen. Den Plan für die Regularisierung und die Gestaltung der neuen Gassenausgänge erarbeitete Küchel 1767.140 Eindrucksvoll ist dabei die Gestaltung der Ausmündung der neuen Gasse zu Fluss hin, wo die beiden so unterschiedlich großen Eckbauten Fischstraße 9 und 8 in ihrer Fassadengliederung und Eckgestaltung aufeinander bezogen wurden.141

139 Hans Paschke: Uff der Greten. Ein Beitrag zu der Handels- und Hafengeschichte der Stadt Bamberg, Bamberg 1962 (= SBGT 24), hier S. 44.

140 Mainfränkisches Museum Würzburg, S 48696 „Auffzug oder Faccaden gegen die so genannte Gräden bey dem Regnitz-Flusse“ (mit Bleistift nachträglich datiert 1767)

141 Vgl. Breuer/Gutbier, Innere Inselstadt, (wie Anm. 128), S. 551 u. 560.

142 StAWü HKP 1765, fol. 888 ff, zit. nach Gabriele Dischinger: Der Residenzplatz zu Würzburg - Entwürfe für die Kolonnaden. In: Mainfränkisches Jahrbuch 39/1978, S. 93 - 97, hier S. 93.

143 Dischinger, Residenzplatz, (wie Anm. 142), S. 94.

Auch in Würzburg besteht die städtebauliche Leistung der Seinsheim-Zeit kaum in neuen Bauprojekten, sondern – in erstaunlichen Parallelen zu Bamberg – in der Ausgestaltung des Residenzplatzes und in der bewussten Einbeziehung von Garten und Landschaft in das Stadtbild. Hier fasste Seinsheim 1765 den Entschluss, das „fernere Bauwesen der Residenz zur Zierde und Ansehen der Stadt Würzburg fortzusetzen142, das heißt, es ging ihm ganz bewusst um eine sinnvolle Verbindung der Residenz mit dem Stadtraum. Johann Philipp Geigel hatte dazu unter Mitarbeit von Johann Michael Fischer 1767 ein Pendant zum Rosenbachhof an der nördlichen Platzwand zu errichten, den späteren Gesandtenbau. Die weitere Verknüpfung des Residenzplatzes mit der Stadt sollte dann über zwei Kolonnaden erfolgen, die ab 1770 zuerst auf der Südseite begonnen und 1773 fertiggestellt wurden.143

Konsequenter noch als in Bamberg wurde in Würzburg das Vorgelände der inneren Befestigung zum Promenadenring umgestaltet, was hier auch leichter möglich war, da jene ihre Funktion schon lange verloren hatte. Zeitgleich zu Bamberg erfolgte die Anlage einer Doppelreihe Linden auf dem schon 1738 verfüllten unteren Graben 1764 durch Geigel, der heutigen Juliuspromenade.144 Die Obere Promenade (heute Balthasar-Neumann-Promenade) als Abgrenzung zum Hofgarten folgte 1780.145

144 Heiner Reitberger: Das alte Würzburg. Würzburg 1977, hier S. 86.

145 Thomas Memminger: „Würzburgs Straßen und Bauten - Ein Beitrag zur Heimatkunde von Thomas Memminger”, Würzburg, 2. Aufl. 1921, S.

„Obere Promenade“ vor dem Juliusspital in Würzburg. Quelle: Mainfränkisches Museum.

Bereits Balthasar Neumann hatte 1747/1750 die Wallfahrtskirche Maria Hilf, seither zumeist „Käppele“ genannt, mit ihrer Zweiturmfassade auf die Stadt ausgerichtet. Doch ihre eigentliche Anknüpfung an die Stadt und ihre Einbindung in die Stadtlandschaft gelang erst unter Adam Friedrich durch einen großartigen, terrassenartigen Stationenweg in Form einer kapellengeschmückten doppelläufigen Treppenanlage, der zwischen 1761 und 1768 errichtet wurde.146

146 Felix Mader: Stadt Würzburg. Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern. Die Kunstdenkmäler von Unterfranken & Aschaffenburg. Band 3/12. München 1915, S. 234.

147 Hierzu fundamental Renate Gerlach: Flussdynamik des Mains unter dem Einfluss des Menschen seit dem Spätmittelalter. Forschungen f. Dt. Landeskunde, Band 234, Trier 1990. Am Obermain gehen die Ansätze zu einer „Wasserbaubehörde” auf das späte Mittelalter zurück. Als Teil des Kastenamtes Lichtenfels gab es einen „Fischmeister”, der zugleich die Aufsicht über eine Flussstrecke des Maines besaß.

148 Von Roda, Seinsheim, (wie Anm. 4), Q 184, S. 243.

Nicht nur im Straßenbau und im Städtebau, sondern auch im Wasserbau zeichnet sich die Seinsheimzeit durch Innovationen aus. Auch in diesem Bereich ist die langsame Ablösung traditioneller, oftmals sehr provisorischer Herangehensweisen, bei welchen die Verantwortlichen flussnahen Berufsgruppen, wie Fischmeister oder Müller entstammten147, durch eine planvolle, ingenieurtechnisch abgesicherte spürbar. Auch hier ist Seinsheim persönlich involviert. Er schreibt am 5. März 1777 an seinen Bruder: „Übermorgen wann die witterung guet, werde ich meinen ohnangenehmen wasserzustand betrachten, dermahlen gehen zwar widrum die Mühlen, man mues aber dem Fluss Regnitz hin und wider helfen, damit die sandbänkh abgespült, und der fluss widrum seinen gewöhnlichen lauf versezet wird, der Obrist v. Neumann hat bis dahero ohngemein ville hülf verschaffet, und da derselbe den ganzen zustand kennet, so wird er sachen veranlassen, welche den gegenwärtigen und künftigen übel steiern…148

Trotz aller Bemühungen, auf die einzugehen sein wird, konnte dem „Übel” allerdings nur beschränkt Einhalt geboten werden. Fünf Jahre nach Seinsheims Tod zerstörte ein Hochwasser mit Eisgang am 27. Februar 1784 die durch Ferdinand Tietz geschmückte Seesbrücke in Bamberg.

Die Seinsheimzeit fällt klimageschichtlich in die letzten Ausläufer der „Kleinen Eiszeit” und daher in eine Phase hoher Flussdynamik und starker Hochwasserereignisse.149 Die Stadt Bamberg war mit ihrem mehrarmigen Gewässersystem kurz vor der Mündung in den Main besonders bedroht. 1758 war die Regnitz beim Haselhof in Richtung Hauptsmoorwald ausgebrochen, sodass zu fürchten war, dass die Stadt Bamberg das Wasser verlieren würde. Daraufhin wurde unter der Leitung von Wilhelm Johann Heyberger ein Durchstich durch die Flur „Tränkwiesen” vorgenommen, an dem 1000 Personen während zweier Jahre arbeiteten und der Gesamtkosten von 30.000 fl. verursachte.150 Zieht man dazu die Baukosten für Vierzehnheiligen von etwa 130.000 fl. heran, die im Jahresdurchschnitt Aufwendungen etwa 6000 fl. verursachten151, sieht man, welche Kräfte durch die Bedrohung durch den Fluss gebunden wurden. 1761 griff die Regnitz die „Schanz“ im Bereich der heutigen Promenade an, weswegen der Flussarm des „Schwarzen Wassers“ schon vor dem Kaipershof durch Heyberger mit Kosten von 3000 fl. abgeschnitten wurde. Allerdings vernichtete bereits das Hochwasser 1764 diesen Wasserbau, so man nun wieder die Schanz selbst verstärkte.152

149 Rüdiger Glaser: Klimageschichte Mitteleuropa. 1000 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen. Darmstadt 2001, hier S. 194/95 für das Main- und Regnitzgebiet.

150 Köberlin, Landschaftsbild, (wie Anm. 64), S. 12. Auf der „Strom- und Situations Charte über den Regnitz Fluss” von Johann Georg Roppelt 1777 (Historisches Museum Bamberg, GR 1531) ist der Durchstich zu lokalisieren.

151 Ruderich, Vierzehnheiligen, (wie Anm. 25), S. 323.

152 Köberlin, Landschaftsbild, (wie Anm. 64), S. 12.

Ausschnitt aus Johann Georg Roppelt: „Strom- und Situations-Charte über den Regnitz Fluss“ 1777. Tusche auf Papier, teilweise aquarelliert, 36,8 x 248,5cm, Historisches Museum Bamberg Gr.1531.

Hatten bisher einheimische Kräfte die ingenieurtechnischen Projekte im Straßen- und Wasserbau durchgeführt, so versuchte Seinsheim nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges sich auswärtiger ausgewiesener Fachkräfte zu bedienen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist der „Wasser-Bau verständige Rathsverwandte” Isaac Lachmeyer153, der nach der Begutachtung der Hochwasserschäden des Jahres 1763 vorschlug, eine eigene, ständig einsatzbereite Bautruppe für das Straßen- und Wasserbauwesen im Hochstift zu schaffen.154 Im Jahre 1764 führt dies zu einer Neuordnung des Straßen- und Wasserbauwesens im Hochstift Bamberg. Mit Lachmeyer installiert Seinsheim erstmals einen „Landweeg- und Wasserbau-Inspektor” und damit eine Vorläuferinstitution der späteren Straßen- und Flussbauämter.155 Gleichzeitig teilt der Fürstbischof die finanzielle Verantwortung für das Straßen- und Wasserbauwesen insgesamt der Staatsverwaltung zu und übertrug den beiden Finanzbehörden Hofkammer und Obereinnahme die Finanzlast. Die Oberaufsicht sollten Oberhofmeister von Rotenhan und der Oberstallmeister von Künsberg übernehmen.156

153 Er kam aus Schwaben, wobei die Quellen wechselweise von Nördlingen oder Nürtingen sprechen.

154 StAB B 53 Nr. 456, Nr. 74; zit. nach Joachim Hotz: Quellen zur Geschichte des fränkischen Barocks. Hochstift Bamberg. Die Hofbauamtsprotokolle unter Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (1759 - 1779). Manuskript in der Bibliothek des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege 1960, hier Q 52 und 53.

155 Hotz, Hofbauamtsprotokolle, (wie Anm. 154), Q 73, S. 56/57. In Bayern erfolgte die Zusammenlegung dieser Aufgaben wenige Jahre später, als die „Generaldirektion für Straßen- und Wasserbauten“ unter Castulus Riedl 1767 gebildet wurde; vgl. Schlögl, Staat, (wie Anm. 88), S. 49. Doch schon 1770 wird sie im Hofkalender nicht mehr als eigenständige Behörde geführt, sondern der Hofkammer zugeordnet, vgl. Schlögl, Staat, (wie Anm. 88), S. 182.

156 Hotz, Hofbauamtsprotokolle, (wie Anm. 154), Q 71, S. 54/55.

157 Hotz, Hofbauamtsprotokolle, (wie Anm. 154), Q 111, S. 97.

158 Hotz, Küchel, (wie Anm. 41), S. 85.

159 Hanemann, Fink, (wie Anm. 36), S. 18.

160 Hotz, Küchel, (wie Anm. 41, S. 85.

Mit dem Personal hatte Seinsheim kein Glück, denn Lachmeyer war unter Zurücklassung einer „Schmäh- und Lästerschrift” schon Mitte 1766 aus den Diensten des Hochstifts „selbst ausgetretten”,157 auch der Nachfolger Franz Joseph Cadusch quittiert schon 1769 den Dienst158, aber die grundsätzliche Organisationsstruktur sollte bis zum Ende des Hochstifts ihre Gültigkeit behalten. Nachfolger Cadusch’s wurde als Hofwerkmeister der junge Lorenz Fink, Sohn des Bamberger Hofmaurermeister Conrad Fink.159 Für größere Entwürfe, sofern sie überhaupt anstehen, griff Seinsheim auch im Hochstift Bamberg auf seinen Würzburger Architekt Johann Michael Fischer und als Ingenieur auf Franz Ignaz Michael von Neumann zurück, selbst der erst 1769 gestorbene Hofarchitekt Johann Jacob Michael Küchel erhielt nur noch kleine Aufträge.160

Vor allem im Wasserbauwesen, in dem Neumann häufig die Vorhaben einheimischer Handwerker begutachtete, so 1778 bei Ebensfeld161, stammen die fortschrittlichsten Überlegungen nicht von ihm, sondern vom Bamberger Hofkriegsrat Johann Georg Roppelt.162 Seine „Strom- und Situations-Charte über den Regnitz Fluss” aus dem Jahr 1777 zwischen Strullendorf und Gaustadt ist ein sehr frühes Beispiel auf dem Weg zu einer modernen wasserbautechnischen Planung. Sie umfasst eine Bestandsaufnahme des Gewässernetzes einschließlich seiner bekannten natürlichen und menschlichen Veränderungen, kartiert alle wasserbaulichen Einbauten einschließlich aller Bamberger Mühlen und legt „Hydrotechnische Grundsätze” fest, wie sie für die Regnitz gelten sollen, aber auch „ihre Anwendung bey anderen Stromen” finden mögen.163 Schließlich sind die dringend durchzuführenden Maßnahmen in die Karte eingetragen. Damit geht sie über ältere Kartendarstellungen hinaus, die sich in aller Regel nur jeweils einer konkreten Maßnahme widmeten.

161 Vgl. Thomas Gunzelmann: Ebensfeld und der Main. In: Gerhard Arneth (Hrsg.): 1200 Jahre Ebensfeld. Beiträge zur Geschichte einer Marktgemeinde am Obermain. Ebensfeld 2003, S. 115 - 128, hier S. 119.

162 Johann Georg Roppelt (1718 - 1797), Vater von Johann Baptist Roppelt, dem Mathematikprofessor und Topographen des Hochstifts Bamberg; vgl. Karl Sitzmann: Künstler und Kunsthandwerker in Ostfranken. Die Plassenburg, Band 12 mit Band 16 und 37, Kulmbach 1983, S. 456.

163 Historisches Museum Bamberg, GR 1531.

164 Schlögl, Staat, (wie Anm. 88).

165 Vollet, Bamberg, (wie Anm. 86), S. 199 - 201.

Betrachtet man diese Karte nicht nur als Quelle für die flussbaulichen Maßnahmen um und vor 1777 um Bamberg, sondern unter verwaltungsgeschichtlichen, wie auch allgemeingeschichtlichen und besonders geistesgeschichtlichen Aspekten, so dokumentiert sie, dass das Hochstift Bamberg am Ende der Seinsheim-Zeit durchaus schon auf dem Weg zum „planvollen Staat” war164, auch wenn eine flächenhafte Darstellung des Territoriums auf kleinmaßstäblicher Ebene erst durch Roppelts Sohn Johann Baptist und auf der Ebene der Katasterkarten zumindest teilweise durch Franz Jacob Klietsch und seinem Sohn Rudolph unter den Nachfolgern Seinsheims erfolgen sollte.165

Eine an den Möglichkeiten der Zeit gemessene infrastrukturelle Meisterleistung166, die auf das gartenkünstlerische Wollen Seinsheims zurückgeht, war auch der Bau der Wasserleitung zur Versorgung der Seehofer Wasserkunst, insbesondere in ihrer erweiterten, nach 1764 errichteten Form. Da die auf der Westseite des Stammbergs gelegenen Quellen sich als zu schwach erwiesen, um die Kaskade entsprechend aufwendig zu betreiben. Im Juni 1764 berichtete die Hofkammer, dass Lachmeyer an der Ostseite des Schammelsdorfer Berges eine „Besondere wasser-quelle in außerordentlicher stärcke wahrgenohmen…” hätte167, wurde der Plan gefasst, diese Quelle über einen Aquädukttunnel durch den Schammelsdorfer Berg mit den anderen Quellen am Westhang zusammenzuführen. Seinsheim beschloss daher schon am 4. Juli 1764 mit Probearbeiten zu beginnen, von deren Sinnhaftigkeit er sich selbst überzeugen wollte. Beauftragt wurden schließlich Bergleute aus Guttenberg unter dem ursprünglich braunschweigischen Bergmeister Rudolph Wilcken. Der Tunnel wurde aus zwei Richtungen vorgetrieben, die sich Ende Dezember 1768 trafen.168 Klaus Grewe hat nachgewiesen, dass die horizontal und vertikal versetzte Linienführung beider Vortriebe beabsichtigt war und dazu diente, um mit größter Sicherheit aufeinanderzustoßen.169 Funktionsfähig wurde der Tunnel erst 1771, Teilstrecken wurden noch bis 1777 ausgemauert und überwölbt.

166 Klaus Grewe: Die Kaskade von Schloss Seehof in Memmelsdorf und ihre aufwendige Wasserleitung. In: Frontinus-Gesellschaft (Hrsg): Wasser im Barock. (= Geschichte der Wasserversorgung 6) Mainz 2004. S. 133 - 147, hier S. 144 spricht von einem „technischen Großprojekt der Barockzeit”.

167 StAB B 53, Nr. 456, Nr. 82, zit. nach Hotz, Hofbauamtsprotokolle, (wie Anm. 154), Q 72, S.56

168 Schuller, Kaskade, (wie Anm. 33), S. 70.

169 Schuller, Kaskade, (wie Anm. 33), S. 70 hielt die horizontalen und vertikalen „Knickstellen” für „zumindest teilweise beabsichtigt”, Grewe, Wasserleitung, (wie Anm. ) S. 141 zeigte, das die Knicke im Bereich des Durchschlags Richtungs- und Höhenfehler abfangen sollten.

170 Ssymank, Seinsheim, (wie Anm. 2), S. 104.

171 Fehn, Kronach, (wie Anm. 109), S. 268.

172 Fehn, Kronach, (wie Anm. 109), S. 275.

173 Benignus Pfeufer: Beyträge zu Bambergs Topographischen und Statistischen so wohl älteren als neueren Geschichte. Bamberg 1792, hier S. 182.

Auch auf einigen weiteren Feldern der Landesentwicklung betätigte sich Fürstbischof Seinsheim, die in unserem Zusammenhang jedoch nur noch gestreift werden sollen. So lag im die Förderung des Bergbaus am Herzen, wofür er auch eine „Bergbaukommission” einrichtete.170 Einigermaßen erfolgreich waren diese Bemühungen aber lediglich im Frankenwald, wo seit 1767 der bereits genannte Heinrich Rudolph Wilcken als Bergmeister für die Ämter Kupferberg und Kronach wirkte171, und hier insbesondere im Fall der Kohlegruben von Stockheim. Dort war 1758 ein Steinkohlelager entdeckt wurden, das zunächst keine große Beachtung fand. Nach dem Siebenjährigen Krieg setzte dort ein regelrechtes Mutungsfieber ein. Nach den Zechen „Vereinigter Nachbar” (1763) und St. Wolfgang (1766) wurde schließlich 1769 die „Adam-Friderich-Zeche” eingerichtet.172 Dieses Unternehmen blieb einigermaßen wirtschaftlich, die Kohle wurde hauptsächlich in der näheren Umgebung verkauft, immerhin wurden nach einer Statistik von 1791 jährlich Kohlen im Wert von 12.000 fl. ins Ausland verkauft.173

Auch auf dem Feld der Gesundheitspolitik, in dem sich vor allem sein Nachfolger Franz Ludwig von Erthal bleibenden Ruhm erwarb, betätigte sich Adam Friedrich. Er blieb dabei in den hergebrachten Bahnen und unterstützte die bestehenden Spitäler und Siechhäuser. In seine Zeit fiel beispielsweise der Neubau des Scheßlitzer Elisabethenspitals (1773) einschließlich der Spitalkirche (1769), an der er sein Wappen anbringen ließ.174 Auch das Hallstadter Siechenhaus wurde unter Seinsheim neu erbaut.175

174 Karl Heinz Mayer: Die alte Geschichte von Scheßlitz: von den Anfängen bis zur Säkularisation. Bamberg 2000, S. 193.

175 Joseph Groh: Hallstadter Heimatspiegel. Hallstadt 1952, S. 35/36. Er datiert den Bau auf 1766, das hier angebrachte Wappen Seinsheims datiert auf 1773.

176 Christine Tropper: Die Herrschaft Bambergs in Kärnten. In: Luitgar Göller (Hrsg.): 1000 Jahre Bistum Bamberg. Petersberg 2007, S. 264 - 275.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim an allen planerischen und baulichen Aktivitäten in seinen beiden Ländern nicht nur interessiert war. Viele stieß er in absolutistischer Manier selbst an, auf jeden Fall die, die seiner Hofhaltung dienen. Aber auch die staatlichen und wenigen kirchlichen Baumaßnahmen liegen ihm am Herzen, was er äußerlich durch die Anbringung seines Wappens dokumentieren lässt. Dies gilt auch für vergleichsweise niedrigrangige Bauwerke wie Brücken und Chausseen. Der Schwerpunkt seiner Aktivitäten liegt aber nicht mehr im Bauwesen für seine Residenzen, sondern in der Garten- und Landschaftsgestaltung, die noch in erster Linie zur eigenen Erbauung, aber durch die Öffnung der Anlagen zumindestens in Ansätzen auch schon mit Blick für die Allgemeinheit durchgeführt wurde. Daneben sind weitere Schwerpunkte der Städtebau mit vergleichsweise wenigen, aber durchaus zeitgemäßen Unternehmungen und die Landesplanung. Hier verfolgt er das Ziel der Hebung der Wohlfahrt seiner Länder, was unter den Bedingungen von Krieg, Hungersnöten, bitterer Armut großer Teile der Bevölkerung und beschränkter finanziellen Ressourcen, die letztendlich 1759 sogar zum Verkauf der Bamberger Landesteile in Kärnten führten176, nur beschränkt von Erfolg sein konnte. Immerhin gelang ihm auf dem Gebiet des Straßenbaus die Durchsetzung einer Innovation und die tatsächliche Verbesserung der Verkehrsverhältnisse.

Seinsheim ist hinsichtlich seiner Garten- und Landschaftsgestaltung eher rückwärtsgewandt. Obwohl er zweifelsohne zu den Vertretern des aufgeklärten Absolutismus oder des Reformabsolutismus zu zählen ist, wollte er keineswegs auf die hergebrachten Rezepte der Garten- und Landschaftsgestaltung verzichten. Er war damit wesentlicher Teil einer „konservativen Reaktion” auf die Gartenrevolution der 60er und 70er Jahre des 18. Jahrhunderts in Deutschland.177 Programmatisch unterstützte ihn hierin sein Würzburger Hofgärtner Mayer. Doch in Seehof zeigen sich in der scheinbar axialen und repräsentativen Landschaftsgestaltung im Außenbereich des Schlossparks vielleicht schon gewisse Auflösungserscheinungen und ein Herantasten an das neue Gartenideal des „Natürlichen”, was jedenfalls von den Zeitgenossen so wahrgenommen oder interpretiert worden ist. Marie Luise Gothein meinte sogar, dass sein Seehofer Garteninspektor Jacob „im Herzen dem englischen Stile huldigte.”178

177 Von dieser konservativen Reaktion spricht Adrian von Butlar: Meister des öffentlichen Raums. In: Garten+Landschaft 9/2000, S. ?

178 Gothein, Gartenkunst, (wie Anm. 74), S. 238. Leider gibt sie die Quelle dieser Erkenntnis nicht an. Eventuell bezieht sie sich auf den Bericht von Friedrich Nicolai über seine Begegnung mit Jacob im Jahr 1781: „Ich lernte den Obergärtner Hrn. Inspektor Jakob kennen, einen verständigen Mann, der in seiner Kunst sehr gute Einsichten hat. Der vorige Fürst Adam Friedrich hat ihn nach Frankreich reisen lassen, und Frankreich hat ihn nicht verdorben. Er schien die Fehler bey der ersten allzuregelhaften Anlegung des Gartens wohl einzusehen. Hauptveränderungen kann er darin ohne besondern Befehl nicht vornehmen. Aber einzelne neue Anlagen hat er gemacht, welche zeigen, daß er noch treflichere Anlagen ausführen könnte, wenn man es ihm auftragen würde. Darunter ist besonders in einem großen Quadrate von grünen Hecken, ein niedliches Boskett oder Schrubbery auf engländische Art, von verschiednen wohlgewählten Sträuchern und Gehölz. Er hat es aus eigenem Triebe angelegt, und nachdem es ziemlich in die Höhe war, nach ein paar Jahren den jetzigen Fürsten hineingeführt, der es duldet, ohne daran Anteil zu nehmen, wie Er sich denn überhaupt weniger hier aufhält, als Seine Vorgänger.“ Vgl. Nicolai, Reise, (wie Anm. 77), S. 122.

Hinsichtlich seiner Haltung zur Stadtplanung, noch mehr aber in den Fragen der Landesplanung war er jedoch auf der Höhe der Zeit und den meisten Kleinstaaten in der Nachbarschaft um einiges voraus. Konsequent verfolgte er die Zielsetzungen des Merkantilismus, ohne jedoch damit eigenständige unternehmerische Initiativen seiner Untertanen beflügeln zu können. Würzburg und Bamberg sollten bis an das nicht mehr allzu ferne Ende ihrer Tage Agrarstaaten bleiben, in denen aber manches immerhin gärte, das Adam Friedrich in Bewegung gesetzt hatte.

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Gunzelmann, Thomas. 2008. “Adam Friedrich von Seinsheim als Landschaftsgestalter und Landesplaner.” June 20, 2008. https://thomas-gunzelmann.net/themen/seinsheim/seinsheim.html.